7 Sekunden. So lange dauert es, bis sich dein Gegenüber ein Bild von dir macht. Dein Outfit spricht, bevor du den Mund aufmachst. Du brauchst keine teuren Designerklamotten. Wir zeigen dir, wie’s geht.
- Der erste Eindruck entsteht in 7 Sekunden – dein Outfit spricht, bevor du den Mund aufmachst
- Business Casual ist für die meisten Jobs die sichere Wahl
- Dunkelblau signalisiert Kompetenz und Vertrauen – die ideale Farbe fürs Bewerbungsgespräch
- Passform ist wichtiger als Preis – ein günstiges Hemd, das gut sitzt, wirkt besser als ein teures, das nicht passt
- Im Zweifel: Lieber etwas overdressed als underdressed

Warum dein Outfit im Bewerbungsgespräch entscheidend ist
Der erste Eindruck entsteht schneller, als du denkst.
Laut IQB Karrieremagazin bildet sich dieser in maximal 7 Sekunden – basierend auf Aussehen, Körpersprache, Stimme und Kleidung. Noch krasser:
Karrierebibel berichtet von Princeton-Forschung, die zeigt, dass Menschen bereits in 100 Millisekunden über Sympathie, Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit urteilen.
Volz Personalberatung hat herausgefunden, dass Personalverantwortliche in den ersten 90 Sekunden ein Urteil fällen – und dieses zu 70% beibehalten. Das bedeutet: Dein Outfit kann dir einen Vorsprung verschaffen, bevor du überhaupt von deinen Qualifikationen erzählst.
"Es geht beim Outfit darum, deine Persönlichkeit zu unterstreichen, nicht um ein Mode-Statement."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Business Formal vs. Business Casual: Was ist der Unterschied?
Bevor du deinen Kleiderschrank durchwühlst, solltest du verstehen, welcher Dresscode erwartet wird. Die Arbeitswelt hat sich verändert:
Laut einer Ipsos/Reuters-Studie tragen 52% der deutschen Arbeitnehmer:innen Freizeitkleidung am Arbeitsplatz – einer der höchsten Werte weltweit.
Elle bestätigt: Business Casual hat sich 2024 als dominierender Dresscode-Trend etabliert, mit einer Abkehr von formeller Geschäftskleidung hin zu entspannter Eleganz.


Business Formal
Der klassische Dresscode für konservative Branchen. Hier trägst du:
- Männer: Vollständiger Anzug mit Krawatte, Hemd in Weiß oder Hellblau, Lederschuhe
- Frauen: Hosenanzug oder Kostüm, Bluse, geschlossene Schuhe mit moderatem Absatz
Wann: Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen, Vorstandspositionen.
Business Casual
Der Mittelweg, der für die meisten Jobs funktioniert:
- Männer: Stoffhose oder Chino, Hemd (auch ohne Krawatte), Blazer optional, saubere Lederschuhe oder elegante Sneaker
- Frauen: Stoffhose oder Rock, Bluse oder elegantes Top, Blazer, geschlossene Schuhe oder elegante Ballerinas
Wann: Die meisten Bürojobs, Tech-Unternehmen, Marketing, Medien, Mittelstand.
Smart Casual
Noch etwas legerer, aber immer noch gepflegt:
- Dunkle, saubere Jeans erlaubt
- Polo-Shirt oder feiner Strickpullover
- Saubere Sneaker möglich
Wann: Startups, Kreativagenturen, manche Tech-Firmen, Kulturbereich.
"Lieber etwas overdressed als underdressed."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Laut StepStone ist Business Casual als sicherer Mittelweg empfehlenswert. Im Zweifel gilt: Lieber etwas overdressed als underdressed.
Bewerbungsgespräch Outfit für Damen

Die sichere Wahl
Ein Blazer ist dein bester Freund. Er wertet jedes Outfit auf und vermittelt Professionalität. Kombiniere ihn mit:
- Stoffhose: Gerade geschnitten, knöchellang oder klassische Länge
- Bleistiftrock: Knielang, nicht zu eng
- Kleid: Schlicht, nicht zu kurz (Faustregel: mindestens kniebedeckend)
Schuhe
Geschlossene Schuhe sind die sichere Wahl. Der Absatz sollte 5-7 cm nicht überschreiten – du willst sicher und entspannt auftreten, nicht balancieren. Flache Schuhe sind völlig in Ordnung, solange sie gepflegt aussehen.
Accessoires
Weniger ist mehr. Eine dezente Uhr, kleine Ohrringe, eine schlichte Kette – das reicht. Auffälliger Schmuck lenkt vom Gespräch ab.
Haare und Make-up
Gepflegt und nicht ablenkend. Du musst nicht wie aus dem Hochglanzmagazin aussehen. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und authentisch wirkst.
Bewerbungsgespräch Outfit für Herren


Die sichere Wahl
Je nach Branche variiert dein Outfit:
Für konservative Branchen:
- Anzug in Dunkelblau, Grau oder Anthrazit
- Weißes oder hellblaues Hemd
- Dezente Krawatte (kein Muss, wenn die Firma modern ist)
- Schwarze oder dunkelbraune Lederschuhe
Für moderne Branchen:
- Stoffhose oder Chino in Dunkelblau, Grau oder Beige
- Hemd in gedeckten Farben (auch ohne Krawatte)
- Blazer optional
- Saubere Lederschuhe oder elegante dunkle Sneaker
Schuhe
Lederschuhe sollten geputzt sein – klingt banal, wird aber oft vergessen. Socken? Passend zur Hose, keine weißen Tennissocken.
Grooming
Bart gepflegt oder rasiert. Nägel sauber und gekürzt. Haare ordentlich – du musst nicht zum Friseur, aber es sollte nicht aussehen, als wärst du gerade aufgestanden.

Welcher Dresscode für welche Branche?
Diese Liste gibt dir eine schnelle Orientierung:
- Bank/Finanzen: Business Formal – Anzug + Krawatte / Hosenanzug
- Versicherung: Business Formal – Anzug / Kostüm
- Beratung: Business Formal – Anzug + Krawatte / Hosenanzug
- Anwaltskanzlei: Business Formal – Anzug / Kostüm
- Großunternehmen: Business Casual bis Formal – Hemd + Stoffhose / Blazer + Bluse
- Tech/IT: Business Casual bis Smart Casual – Hemd + Chino / Blazer + Stoffhose
- Startup: Smart Casual – Saubere Jeans + Hemd / Blazer
- Marketing/Medien: Business Casual – Hemd + Stoffhose / Kleid + Blazer
- Kreativagentur: Smart Casual – Individueller Stil, aber gepflegt
- Handwerk: Gepflegt/Praktisch – Saubere Jeans + Hemd/Polo
- Gastro/Einzelhandel: Smart Casual – Ordentlich, branchenüblich
- Öffentlicher Dienst: Business Casual – Hemd + Stoffhose / Bluse + Rock
Wenn du unsicher bist, schau dir die Teamfotos auf der Unternehmenswebsite an. Das gibt einen guten Hinweis auf die Unternehmenskultur.
Kann man mit Jeans zum Vorstellungsgespräch?
Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Dunkle, saubere Jeans ohne Löcher oder Waschungen können in lockeren Branchen wie Startups, Kreativagenturen oder manchen Tech-Firmen funktionieren. Kombiniere sie mit einem Hemd oder Blazer, um das Outfit aufzuwerten.
In konservativen Branchen wie Banken, Versicherungen oder Beratungen sind Jeans ein No-Go – egal wie hochwertig sie sind. Wenn du unsicher bist: keine Jeans. Es gibt genug Alternativen, die auf Nummer sicher gehen.
Die Faustregel: Jeans sind erlaubt, wenn die Firma selbst einen lockeren Dresscode hat. Im Zweifel recherchierst du vorher oder fragst beim Erstkontakt nach dem üblichen Dresscode.
Welche Farben wirken professionell?
Farben kommunizieren. Wähle sie bewusst.


Laut Focus signalisiert Blau Kompetenz, Gelassenheit und Professionalität – ideal für Bewerbungsgespräche, wo Vertrauen entscheidend ist.
- Dunkelblau: Kompetenz, Vertrauen, Seriosität – Anzug, Blazer, Kleid
- Grau: Neutral, stabil, professionell – Anzug, Hose, Rock
- Weiß: Sauber, klar, frisch – Hemd, Bluse
- Schwarz: Elegant, seriös, förmlich – Anzug, Schuhe, Accessoires
- Beige/Braun: Bodenständig, warm, zugänglich – Hose, Accessoires, Schuhe
- Bordeaux: Selbstbewusst, dezent auffällig – Akzente (Krawatte, Schal)
Farben, die du vermeiden solltest
Laut Euroakademie kann Rot dominant und aggressiv wirken – für ruhige, vertrauensvolle Gesprächssituationen eher ungeeignet. Das bedeutet nicht, dass du keine roten Akzente setzen darfst, aber ein komplett rotes Outfit oder eine knallrote Bluse als Hauptelement ist riskant.
Ebenfalls vermeiden: Neonfarben, sehr laute Muster, zu viel Weiß (wirkt schnell klinisch).
Outfit-Tipps für Sommer und Winter

Sommer
Die Hitze ist kein Grund für Shorts und Flip-Flops.
Laut der Ipsos/Reuters-Studie finden nur 28% der Befragten Shorts am Arbeitsplatz angemessen – und lediglich 14% akzeptieren Flip-Flops. Im Vorstellungsgespräch sind diese Zahlen noch niedriger.
Was funktioniert:
- Leichte Stoffe wie Baumwolle oder Leinen-Mischungen
- Kurzarmhemden (gepflegt, nicht Hawaii-Style)
- Offene Blazer statt geschlossener Sakkos
- Bring ein frisches Hemd mit, falls du auf dem Weg schwitzt
- Geschlossene, aber luftige Schuhe
Was nicht funktioniert:
- Shorts, egal wie elegant
- Flip-Flops oder offene Sandalen
- Ärmellose Tops (für Frauen: mindestens kurze Ärmel oder Blazer drüber)
- Zu dünne oder durchsichtige Stoffe
Winter
Was funktioniert:
- Schichtenlook: Zieh den Mantel aus, bevor du den Raum betrittst
- Bring Wechselschuhe mit, wenn du durch Schnee gelaufen bist
- Pullover unter dem Blazer – aber nicht zu voluminös
- Dunkle Farben passen zur Jahreszeit
Was nicht funktioniert:
- Mit nassem Mantel ins Gespräch gehen
- Bulky Winterstiefel während des Gesprächs tragen
- Zu viele Schichten, die dich schwitzen lassen
Das perfekte Outfit fürs Online-Vorstellungsgespräch
Video-Interviews haben andere Regeln. Die Kamera sieht anders als das menschliche Auge.

Was funktioniert auf Kamera
- Uni-Farben: Einfarbige Oberteile wirken ruhig und professionell
- Gedeckte Töne: Blau, Grau, Weiß, Bordeaux kommen gut rüber
- Struktur: Ein Blazer gibt dem Bild Tiefe und wirkt professioneller als ein schlichtes T-Shirt
Was du vermeiden solltest
- Streifen und kleine Muster: Können auf der Kamera flimmern (Moiré-Effekt)
- Weiß direkt unter dem Gesicht: Reflektiert Licht und kann dich blass aussehen lassen
- Schwarz als einzige Farbe: Verschluckt Details, besonders bei schlechter Beleuchtung
Komplett anziehen – auch untenrum
Zieh dich komplett an – nicht nur obenrum. Du weißt nie, wann du aufstehen musst (Klingel, Wasserholen, technisches Problem). Es wäre peinlich, dabei in Shorts oder Jogginghose erwischt zu werden.
Teste dein Outfit vorher auf Kamera. Setz dich an deinen Interviewplatz, starte die Kamera und schau, wie du wirkst.
Mehr Tipps für das perfekte Setup im Online-Bewerbungsgespräch – von Kameraposition über Beleuchtung bis zum Backup-Plan.
No-Gos: Diese Fehler solltest du vermeiden
Manche Dinge disqualifizieren dich nicht sofort, aber hinterlassen einen schlechten Eindruck:
Zerknitterte oder fleckige Kleidung. Bügle dein Outfit am Abend vorher. Kontrolliere auf Flecken. Klingt banal, aber passiert häufiger als du denkst.
Zu casual. Selbst in lockeren Branchen gilt: Ein Bewerbungsgespräch ist kein Sonntagnachmittag. Flip-Flops, Tank-Tops, zerrissene Jeans und Jogginghosen sind tabu.
Zu viel Haut. Tiefe Ausschnitte, Miniröcke oder ärmellose Oberteile ohne Blazer wirken unprofessionell. Das gilt für alle Geschlechter.
Zu starkes Parfum oder Aftershave. Weniger ist mehr. Dein Gegenüber sollte dich riechen können, nicht erschlagen werden. Manche Menschen sind empfindlich oder allergisch.
Sichtbare Markenlogos. Ein dezentes Logo ist okay, aber du bist kein Werbebanner. Große Logos lenken ab und können als angeberisch wahrgenommen werden.
Ungepflegtes Erscheinungsbild. Dreckige Nägel, fettige Haare, ungeputzte Schuhe – all das fällt auf, auch wenn es nicht aktiv angesprochen wird.
Tattoos, Piercings & dein persönlicher Stil
Tattoos und Piercings sind kein automatisches Ausschlusskriterium mehr.
Wann du vorsichtig sein solltest
In konservativen Branchen (Banken, Anwaltskanzleien, gehobene Kundenberatung) kann es sinnvoll sein, auffällige Tattoos zu bedecken oder ungewöhnliche Piercings für das erste Gespräch zu entfernen. Das ist keine Verleugnung – es ist strategisch. Sobald du den Job hast und die Kultur kennst, kannst du offener sein.
Wann du du selbst sein kannst
In Kreativbranchen, Startups, Tech-Firmen und vielen modernen Unternehmen sind Tattoos und Piercings oft kein Thema – manchmal sogar Teil der Unternehmenskultur. Schau dir vorher Teamfotos an oder frag diskret nach.
Authentizität vs. Strategie
Selbstbewusstsein schlägt Konformität. Wenn du dich verstellst, um einen Job zu bekommen, passt der Job vielleicht nicht zu dir. Aber für das erste Gespräch kann etwas Zurückhaltung strategisch sinnvoll sein.
Gutes Outfit mit kleinem Budget
Du brauchst keine teuren Marken, um professionell auszusehen. Was zählt, ist Passform und Pflege.
"Passform ist wichtiger als Preis. Ein günstiges Hemd, das gut sitzt, wirkt besser als ein teures, das zu groß oder zu eng ist."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Wo du günstig gute Teile findest
- Second-Hand-Läden: Oft findest du hochwertige Blazer und Hemden für einen Bruchteil des Neupreises
- Outlet-Stores: Markenklamotten der letzten Saison zu reduzierten Preisen
- Fast-Fashion-Basics: Ein gut sitzendes weißes Hemd von H&M oder Zara tut seinen Job
- Leihen: Frag Freund:innen oder Familie, ob du dir für das Gespräch etwas ausleihen kannst
Wo du investieren solltest
Wenn du ein begrenztes Budget hast, investiere in:
- Einen guten Blazer: Er macht jedes Outfit professioneller und lässt sich vielseitig kombinieren
- Gepflegte Schuhe
- Ein weißes Hemd / eine weiße Bluse: Der Klassiker, der immer funktioniert
Passform schlägt Preis
Passform ist wichtiger als Preis. Ein günstiges Hemd, das gut sitzt, wirkt besser als ein teures, das zu groß oder zu eng ist. Viele Schneider:innen bieten günstige Änderungen an – ein Blazer für 30 Euro vom Secondhand-Laden plus 15 Euro für Änderungen kann besser aussehen als einer für 200 Euro von der Stange.
Kostenloser Download: Outfit-Checkliste
Alle Dresscode-Regeln aus diesem Artikel auf einer Seite – speicher dir die Checkliste auf dem Handy und check dein Outfit kurz vor dem Gespräch.
Fazit: Dein Outfit-Check vor dem Gespräch
Dein Outfit muss nicht perfekt sein – es muss passend sein. Schneller Check:
- Kleidung gebügelt und fleckenfrei?
- Schuhe geputzt?
- Passform in Ordnung (nicht zu eng, nicht zu weit)?
- Farben dezent und professionell?
- Dresscode zur Branche passend?
- Gepflegt (Haare, Nägel, ggf. Bart)?
- Nicht zu viel Parfum?
- Bei Video-Interviews: Auf Kamera getestet?
Wenn du all das abhaken kannst, bist du bereit. Der Rest ist Vorbereitung auf die Fragen – und die richtige Einstellung.
Mehr zur kompletten Vorbereitung findest du in unserem Bewerbungsgespräch Guide.
Für typische Interviewfragen schau dir unsere 50+ häufigsten Fragen mit Antworten an.
Und falls du dich auf die Schwächen-Frage vorbereiten willst: 20 Beispiele mit der richtigen Formulierung.
Hast du das richtige Outfit, aber noch keinen Termin? Nejo durchsucht das Web rund um die Uhr nach passenden Jobs und informiert dich, sobald neue Stellen auftauchen – aus über 400.000 indexierten Jobs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Damit du dein Outfit auch einsetzen kannst.
Häufige Fragen
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