Die meisten Kandidat:innen scheitern nicht daran, dass Recruiter:innen ihnen ihre Schwächen negativ auslegen. Sie scheitern daran, wie sie darüber sprechen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Schwächen-Frage ist keine Falle – sie testet Selbstreflexion und Lernbereitschaft
- Nutze das 3-Schritte-Framework: Schwäche benennen → Beispiel geben → Lösungsansatz zeigen
- Wähle eine Schwäche, die nicht die Kernkompetenz des Jobs betrifft
- Halte deine Antwort 30-45 Sekunden – reflektiert, nicht langatmig
- Bereite zwei Schwächen vor: eine Hauptantwort + eine Backup-Antwort

"Die meisten Kandidat:innen scheitern nicht an ihren Schwächen. Sie scheitern daran, wie sie darüber sprechen."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Warum Recruiter:innen nach Schwächen fragen
"Was sind Ihre Stärken und Schwächen?" gehört zu den Top 3 der häufigsten Interviewfragen.
Wie du die Stärken-Frage genauso souverän meisterst erfährst du hier – mit 20 Beispielen und der STAR-Methode.
Recruiter:innen wollen dich nicht aussortieren, sondern Selbstreflexion und Lernbereitschaft testen. Wer ehrlich über Schwächen spricht und zeigt, dass er daran arbeitet, beweist genau die Qualitäten, die im Joballtag zählen.
2026 hat sich der Fokus weiter verschoben.
Laut HRConnect Group wirkt die Kombination aus Selbstreflexion und konkreten Beispielen aus dem Arbeitsalltag am glaubwürdigsten. Authentizität schlägt polierte Standard-Antworten.
Das 3-Schritte-Framework

Schritt 1: Schwäche klar benennen
"Eine meiner Schwächen ist, dass..."
Schritt 2: Konkretes Beispiel geben
"In meinem letzten Job hat sich das gezeigt, als..."
Schritt 3: Zeigen, wie du daran arbeitest
"Deshalb habe ich angefangen, ... / Mittlerweile..."
Halte deine Antwort zwischen 30 und 45 Sekunden. Recruiter:innen wollen eine reflektierte Antwort hören, keine Lebensbeichte.
Beispielskripte zum Üben
Beispiel 1: Ungeduld
"Ich bin manchmal ungeduldig, wenn Entscheidungsprozesse lange dauern. In meinem letzten Team habe ich gemerkt, dass mich das frustriert hat. Mittlerweile nutze ich die Wartezeit aktiv – ich bereite schon die nächsten Schritte vor oder arbeite an anderen Projekten. Das hilft mir, produktiv zu bleiben."
Beispiel 2: Nervosität bei Präsentationen
"Bei Präsentationen vor großen Gruppen bin ich anfangs nervös. Das war besonders am Anfang meiner Karriere spürbar. Ich habe angefangen, Präsentationen vorher mehrfach zu üben und mir positive Feedbacks aufzuschreiben. Bei meiner letzten Präsentation vor 50 Personen war ich schon deutlich ruhiger."
Beispiel 3: Delegieren
"Mir fällt es schwer, Aufgaben abzugeben – ich mache Dinge gern selbst, weil ich dann das Ergebnis kontrollieren kann. Seit ich erkannt habe, dass das im Team nicht skaliert, übe ich bewusst, Aufgaben klar zu briefen und Vertrauen aufzubauen."
Beispiel 4: Detailverliebtheit
"Ich verliere mich manchmal in Details und optimiere länger als nötig. In meinem letzten Projekt habe ich deshalb angefangen, mir feste Zeitlimits zu setzen und nach 80% Perfektion bewusst weiterzugehen."
Beispiel 5: Nein sagen
"Mir fällt es schwer, Nein zu sagen, wenn Kolleg:innen um Hilfe bitten. Das hat dazu geführt, dass ich mir zu viel aufgeladen habe. Inzwischen prüfe ich vor jeder Zusage meine Kapazität und kommuniziere klar, wenn ich erst später helfen kann."
Diese Antworten solltest du vermeiden

"Ich habe keine Schwächen."
Wirkt arrogant und unreflektiert. Jeder hat Schwächen. Wer das leugnet, hat ein Selbstwahrnehmungsproblem.
"Ich bin zu perfektionistisch." (ohne echtes Beispiel)
Laut StepStone wirkt diese Antwort auf Personaler:innen unauthentisch und wird oft als ausweichend wahrgenommen. Wenn Perfektionismus wirklich deine Schwäche ist, brauchst du ein konkretes Beispiel und einen Lösungsansatz.
Schwächen, die für den Job kritisch sind.
Bewirbst du dich als Buchhalter:in, sag nicht "Ich bin schlecht mit Zahlen." Das disqualifiziert dich sofort. Wähle immer eine Schwäche, die nicht die Kernkompetenz der Stelle betrifft.
Erfundene Schwächen.
Personaler:innen merken, wenn du dir etwas ausdenkst. Bleib bei der Wahrheit. Eine echte kleine Schwäche ist besser als eine erfundene große.
"Ich arbeite zu viel."
Keine echte Schwäche. Klingt nach einem Versuch, etwas Positives als Schwäche zu verkaufen. Wirkt unehrlich.
Zu persönliche Schwächen.
"Ich habe Angst vor Spinnen" oder private Probleme gehören nicht ins Bewerbungsgespräch. Halte es beruflich relevant.
Die Schwächen-Frage in Verkleidung erkennen

Recruiter:innen stellen die Frage nicht immer direkt. Diese Varianten testen das Gleiche und erfordern die gleiche Antwortstruktur:
- "Was würden Ihre Kolleg:innen über Sie sagen?" – Hier kannst du eine Schwäche nennen, die andere an dir bemerken würden.
- "Was war Ihr größter Misserfolg?" – Beschreibe eine Situation, in der eine Schwäche zu einem Problem führte, und was du daraus gelernt hast.
- "Was müssten Sie noch lernen für diesen Job?" – Nenne eine fachliche Lücke, die du schließen willst.
- "Woran arbeiten Sie gerade bei sich?" – Zeige aktive Selbstentwicklung.
- "Auf einer Skala von 1-10, wie gut sind Sie in...?" – Bei niedrigen Zahlen erklären, wie du dich verbesserst.
- "Wenn Sie etwas an sich ändern könnten, was wäre das?" – Klassische Schwächen-Frage in anderem Gewand.
Was tun, wenn du die falsche Schwäche genannt hast?
Es ist passiert. Du hast eine Schwäche genannt, die schlecht ankam. Vielleicht zu nah an der Kernkompetenz des Jobs, vielleicht zu persönlich. Was jetzt?
Don’t panic! Ein einzelner Satz entscheidet selten über den Job. Recruiter:innen bewerten das Gesamtbild.
Nachsteuern, wenn möglich. Falls das Gespräch weitergeht, kannst du später ergänzen: "Als ich vorhin über meine Schwäche sprach – ich möchte klarstellen, dass ich in diesem Bereich aktiv arbeite und konkret X und Y tue."
Beim nächsten Mal besser vorbereiten. Die Schwächen-Frage kommt fast immer. Bereite zwei gute Antworten vor und übe sie laut. So passiert dir das nicht nochmal.
Wie viele Schwächen solltest du nennen?
Eine bis zwei Schwächen reichen völlig. Qualität vor Quantität.
Wenn du nach einer Schwäche gefragt wirst, nenne eine gute Antwort. Bei Nachfragen hast du eine zweite parat.
Bereite also zwei Schwächen vor: Eine Hauptantwort und eine Backup-Antwort. Mehr brauchst du nicht.
Kostenloser Download: Schwächen Vorbereitungskarte
Deine Schwächen-Antwort auf einer Seite vorbereiten – Framework ausfüllen, Beispielskripte anpassen und vor dem Gespräch nochmal durchgehen.
Fazit: Die Schwächen-Frage als Chance nutzen
"Die Schwächen-Frage ist keine Falle – sie ist deine Chance, Persönlichkeit zu zeigen."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Mit dem 3-Schritte-Framework (Schwäche benennen, Beispiel geben, Lösungsansatz zeigen) machst du aus einer unangenehmen Frage deinen Vorteil.
Bereite zwei Schwächen vor, übe die Formulierung laut, und geh selbstbewusst ins Gespräch. Authentizität schlägt Perfektion, immer.
Mehr zur kompletten Vorbereitung findest du in unserem
Bewerbungsgespräch Guide . Und wenn du typische Interviewfragen üben willst, schau dir die
50+ häufigsten Fragen mit Antworten an. Eine praktische Übersicht bietet auch unsere
Bewerbungsgespräch Checkliste .
Du willst perfekt vorbereitet ins Gespräch? Nejo hilft dir, Jobs zu finden, die wirklich zu deinen Skills passen – aus über 400.000 indexierten Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Denn wenn du weißt, warum du der richtige Match bist, fällt auch die Schwächen-Frage leichter.
Häufige Fragen
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