30 bis 60 Minuten. So lange dauert ein typisches Vorstellungsgespräch, und in dieser Zeit entscheidet sich, ob du den Job bekommst. Die Fragen, die dir in dieser Zeit gestellt werden, sind fast immer dieselben. Wer sie kennt, hat einen Vorteil.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die meisten Bewerbungsfragen sind vorhersehbar – mit Vorbereitung überzeugst du souverän
- Nutze die STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result) für strukturierte Antworten
- Arbeitgeber:innen suchen vor allem: Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Problemlösungskompetenz
- Verstehe, was hinter den Fragen steckt – dann klingen deine Antworten authentisch statt einstudiert
- Bereite immer 3-5 eigene Rückfragen vor

"Gut vorbereitet zu sein heißt nicht, dass du Antworten auswendig lernen sollst. Verstehe stattdessen, worauf Fragen abzielen, und überlege dir, in welchem Kontext du deine Antwort formulieren könntest. Dann klingt es nicht einstudiert, sondern kompetent."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Fragen zur Selbstpräsentation
Hier entscheiden sich die ersten 30 Sekunden. Recruiter:innen bilden sich hier ein erstes Bauchgefühl.
"Erzählen Sie etwas über sich"
Darum geht's: Diese offene Frage testet, ob du strukturiert antworten kannst – ohne dich in Details zu verlieren.
Musterantwort:
Nach meinem BWL-Studium habe ich drei Jahre im Marketing bei einem Mittelständler gearbeitet. Dort habe ich gelernt, Kampagnen von der Idee bis zur Auswertung zu betreuen. Jetzt suche ich eine Rolle, in der ich diese Erfahrung in einem größeren Team einbringen kann – deshalb interessiert mich diese Position bei Ihnen.
Struktur: Vergangenheit → Gegenwart → Zukunft. Halte dich an 60-90 Sekunden.
"Was unterscheidet Sie von anderen Bewerber:innen?"
Nicht um Überheblichkeit. Um Selbstkenntnis: Was bringst du mit, das andere nicht haben?
Musterantwort:
Ich kombiniere technisches Verständnis mit Kundenkontakt. In meiner letzten Rolle war ich die Schnittstelle zwischen Entwicklung und Vertrieb – ich konnte beiden Seiten erklären, was die andere braucht.
"Beschreiben Sie sich in drei Worten"
Recruiter checken: Kannst du dich auf den Punkt bringen?
Musterantwort:
Strukturiert, lösungsorientiert, neugierig. Strukturiert, weil ich komplexe Projekte gerne in klare Schritte zerlege. Lösungsorientiert, weil ich bei Problemen lieber nach vorne schaue als nach Schuldigen. Und neugierig, weil ich ständig dazulernen will.
"Was motiviert Sie?"
Darum geht's: Passt deine Motivation zur Rolle?
Musterantwort:
Ich bin motiviert, wenn ich sehe, dass meine Arbeit einen Unterschied macht. In meinem letzten Projekt haben wir einen Prozess automatisiert, der dem Team fünf Stunden pro Woche gespart hat. Solche Ergebnisse treiben mich an.
"Was wissen Sie über unser Unternehmen?"
Der Test: Hast du dich vorbereitet – oder bewirbst du dich blind?
Musterantwort:
Ich weiß, dass Sie 2018 gegründet wurden und sich auf nachhaltige Verpackungslösungen spezialisiert haben. Besonders interessant finde ich Ihr neues Projekt mit [konkretes Beispiel], das ich auf LinkedIn gesehen habe.
Fragen zu deinen Stärken
Zeig dich von deiner besten Seite – aber mit Belegen. "Ich bin teamfähig" reicht nicht. Du brauchst ein Beispiel.

20 Stärken für dein Vorstellungsgespräch mit konkreten Formulierungen und der STAR-Methode findest du außerdem in diesem Guide.
Fragen zu deinen Schwächen
Die Schwächen-Frage. Alle hassen sie. Dabei ist sie einfacher zu meistern, als du denkst: Sei ehrlich und zeig, was du daraus gelernt hast.
"Was ist Ihre größte Schwäche?"
Darum geht's: Bist du ehrlich und selbstreflektiert?
Musterantwort:
Ich neige dazu, bei Präsentationen nervös zu werden. Das war besonders am Anfang meiner Karriere ein Problem. Mittlerweile bereite ich mich intensiver vor und übe laut – bei meiner letzten Präsentation vor 40 Personen war ich deutlich ruhiger als noch vor zwei Jahren.
Was du vermeiden solltest:
- "Ich habe keine Schwächen" (unrealistisch)
- "Ich bin Perfektionist" ohne Beispiel (zu oft gehört)
- Schwächen, die für den Job kritisch sind
20 Beispiel-Schwächen mit der richtigen Formulierung haben wir in einem eigenen Guide zusammengestellt.
"Wo sehen Sie bei sich Verbesserungspotenzial?"
Die gleiche Frage, anders formuliert.
Musterantwort:
Ich könnte besser darin werden, Aufgaben zu delegieren. Ich mache Dinge gerne selbst, weil ich das Ergebnis kontrollieren kann. Aber ich habe gelernt, dass das im Team nicht skaliert – deshalb übe ich bewusst, klarer zu briefen und Vertrauen aufzubauen.
Fragen zu deiner Berufserfahrung
Recruiter:innen wollen wissen, was du kannst – nicht was du behauptest zu können.
Laut IQB Karrieremagazin gehen 69% der Absagen auf unzureichende Berufserfahrung zurück. Bereite dich mit der STAR-Methode vor (siehe nächster Abschnitt).
"Warum haben Sie Ihren letzten Job verlassen?"
Recruiter checken: Bist du ein:e Problemkandidat:in? Oder gibt es nachvollziehbare Gründe?
Musterantwort:
Ich habe viel gelernt, aber nach drei Jahren war klar, dass es keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr gab. Ich suche jetzt eine Rolle mit mehr Verantwortung – und die finde ich hier.
"Ein absolutes NoGo: Schlecht über frühere Arbeitgeber:innen sprechen."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
"Erzählen Sie von einem Projekt, auf das Sie stolz sind"
Darum geht's: Kannst du Ergebnisse liefern?
Musterantwort:
Letztes Jahr habe ich die Umstellung auf ein neues Projektmanagement-Tool geleitet. Die Herausforderung war, 25 Kolleg:innen mitzunehmen, die das alte System gewohnt waren. Nach zwei Monaten haben alle das neue Tool genutzt, und die durchschnittliche Projektlaufzeit ist um 20% gesunken.
"Wie gehen Sie mit Konflikten im Team um?"
Der Test: Bist du teamfähig – auch wenn es schwierig wird?
Musterantwort:
Ich spreche Konflikte früh an, bevor sie eskalieren. In einem früheren Projekt gab es Spannungen zwischen mir und einem Kollegen wegen unterschiedlicher Prioritäten. Ich habe ihn auf einen Kaffee eingeladen, wir haben unsere Perspektiven ausgetauscht – und am Ende hatten wir einen Kompromiss, mit dem beide leben konnten.
"Erzählen Sie von einer Herausforderung und wie Sie sie gelöst haben"
Recruiter checken: Kannst du unter Druck performen?
Nutze die STAR-Methode.
Die STAR-Methode: So strukturierst du Antworten
Die STAR-Methode wurde 1974 von DDI entwickelt und prägt die verhaltensbasierte Interviewführung seit über 50 Jahren. Sie hilft dir, Antworten klar zu strukturieren:
- S – Situation: Beschreibe den Kontext
- T – Task: Was war deine Aufgabe?
- A – Action: Was hast DU konkret getan?
- R – Result: Was war das Ergebnis?

STAR-Beispiel: "Erzählen Sie von einem Konflikt"
Situation:
„In meinem letzten Job sollten zwei Teams gemeinsam eine Software einführen. Nach zwei Wochen gab es Spannungen – beide Seiten fühlten sich übergangen."
Task:
"Als Projektleiter war es meine Aufgabe, das Projekt wieder auf Kurs zu bringen."
Action:
"Ich habe ein gemeinsames Meeting einberufen, in dem jedes Team seine Prioritäten vorstellen konnte. Dann haben wir zusammen einen neuen Zeitplan erstellt, der beide Perspektiven berücksichtigt."
Result:
"Das Projekt wurde drei Wochen später als geplant abgeschlossen, aber mit voller Unterstützung beider Teams – und ohne weitere Konflikte."
Nutze diese Struktur bei jeder Frage, die mit "Erzählen Sie von..." beginnt.
Die STAR-Methode im Detail mit 5 Beispiel-Antworten findest du in unserem ausführlichen Guide.

Fragen zu Motivation und Zukunft
Recruiter:innen wollen wissen: Bleibst du, oder bist du in einem Jahr wieder weg?
"Warum möchten Sie bei uns arbeiten?"
Der Test: Hast du dich mit dem Unternehmen beschäftigt?
Musterantwort:
Drei Gründe: Erstens die Branche – nachhaltige Technologie interessiert mich seit Jahren. Zweitens die Rolle – sie kombiniert Projektmanagement und Kundenkontakt, genau was ich suche. Und drittens das Team – ich habe auf LinkedIn gesehen, wie Sie über Ihre Arbeitskultur sprechen, das klingt nach einem Umfeld, in dem ich mich wohlfühlen würde.
"Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?"
Darum geht's: Hast du Ambitionen? Passen sie zu dem, was wir bieten können?
Musterantwort:
In fünf Jahren möchte ich ein Team leiten. Nicht, weil ich unbedingt Chef sein will, sondern weil ich gerne Wissen weitergebe und andere unterstütze. Der Weg dorthin beginnt für mich damit, in dieser Rolle Expertise aufzubauen.
"Warum sollten wir Sie einstellen?"
Der Haken: Kannst du dich verkaufen?
Musterantwort:
Weil ich genau die Erfahrung mitbringe, die Sie suchen: drei Jahre im B2B-Vertrieb, nachweisbare Erfolge beim Ausbau von Kundenbeziehungen, und die Fähigkeit, komplexe Produkte verständlich zu erklären. Ich bin außerdem jemand, der sich schnell einarbeitet und nicht wartet, bis man mir Aufgaben gibt.
Fragen zur Gehaltsvorstellung
Das Thema, vor dem sich viele drücken. Aber Vorbereitung zahlt sich aus – buchstäblich.
Laut IQB nennen 97% der Recruiter:innen zwei Hauptgründe für Absagen: Die Bewerber:innen erfüllen nicht die Anforderungen – oder haben zu hohe Gehaltsvorstellungen. Also: Recherchiere vorher, was in deiner Branche üblich ist.
"Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?"
Recruiter checken: Bist du realistisch? Passt du ins Budget?
Musterantwort:
Basierend auf meiner Erfahrung und den marktüblichen Gehältern in dieser Branche liegt meine Vorstellung bei 50.000 bis 55.000 Euro brutto jährlich. Ich bin offen, über das Gesamtpaket zu sprechen.
Tipp: Nenne eine Gehaltsspanne – sei dir aber bewusst, dass Spannen immer am unteren Ende interpretiert werden. Kalkuliere daher das untere Ende so, dass es dein Zielgehalt ist.
"Was verdienen Sie aktuell?"
Der Haken: Die Frage ist kritisch – du musst sie nicht beantworten.
Musterantwort:
Mein aktuelles Gehalt ist für mich weniger relevant, da es sich mit der Verantwortung in dieser Rolle nicht gut vergleichen lässt. Ich orientiere mich an den marktüblichen Gehältern für die Position.
Stressfragen und Brainteaser
Manche Unternehmen testen, wie du unter Druck reagierst. Die perfekte Antwort ist weniger wichtig als deine Reaktion.
"Wie viele Tennisbälle passen in einen Bus?"
Darum geht's: Kannst du laut denken und strukturiert an ein Problem herangehen?
Wie du antwortest: Zeige deinen Denkprozess: "Okay, ein Bus ist etwa 12 Meter lang, 2,5 Meter breit, 2 Meter hoch. Das ergibt etwa 60 Kubikmeter. Ein Tennisball hat einen Durchmesser von 6-7 cm..."
Das Ergebnis ist egal. Recruiter:innen wollen sehen, wie du denkst.
"Was ist Ihr größter Misserfolg?"
Der Test: Kannst du aus Fehlern lernen?
Musterantwort:
Einmal habe ich einen wichtigen Kunden verloren, weil ich ein Problem zu spät eskaliert habe. Ich dachte, ich könnte es alleine lösen. Seitdem kommuniziere ich früher, wenn etwas nicht läuft – und habe dadurch ähnliche Situationen verhindern können.
Unzulässige Fragen: Was Recruiter:innen nicht fragen dürfen
Manche Fragen sind in Deutschland rechtlich unzulässig. Du musst sie nicht beantworten – und darfst sogar lügen.
Unzulässige Fragen:
- Sind Sie schwanger oder planen Sie Kinder?
- Welche Partei wählen Sie?
- Welche Religion haben Sie?
- Wie alt sind Sie genau?
- Haben Sie Schulden?
Wie du reagierst: Freundlich, aber bestimmt: "Diese Frage ist für meine Qualifikation nicht relevant. Kann ich Ihnen stattdessen etwas über meine Erfahrung erzählen?"
Deine Rückfragen: Was du den Arbeitgeber fragen solltest
"Haben Sie noch Fragen?" – Die Antwort ist immer: Ja.
Rückfragen zeigen Interesse und Vorbereitung. Bereite 3-5 davon vor:
- "Wie sieht ein typischer Arbeitstag in dieser Rolle aus?" – Zeigt Interesse am Alltag
- "Was sind die größten Herausforderungen in dieser Position?" – Zeigt, dass du realistisch bist
- "Wie würden Sie die Teamkultur beschreiben?" – Zeigt, dass dir das Umfeld wichtig ist
- "Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?" – Zeigt Ambition
- "Wie läuft die Einarbeitung ab?" – Praktische Frage
- "Was erwarten Sie in den ersten 90 Tagen?" – Zeigt, dass du liefern willst
- "Warum ist die Stelle frei geworden?" – Gibt Kontext
- "Wie wird Erfolg in dieser Position gemessen?" – Zeigt, dass du ergebnisorientiert bist
Was du nicht fragen solltest (zumindest nicht im ersten Gespräch):
- Wie viele Urlaubstage habe ich?
- Kann ich früher gehen?
- Wie schnell kann ich befördert werden?
Die häufigsten Fehler vermeiden
75% der Absagen erfolgen wegen fehlender Sympathie oder mangelndem Cultural Fit im Gespräch. Es geht nicht nur darum, was du sagst – sondern wie.
- Zu wenig Vorbereitung: Wer nichts über das Unternehmen weiß, fliegt raus
- Negative Aussagen über frühere Arbeitgeber: Wirft ein schlechtes Licht auf dich
- Keine Rückfragen: Signalisiert Desinteresse
- Zu früh nach Gehalt/Urlaub fragen: Zeigt falsche Prioritäten
- Monologe: Halte Antworten bei 1-2 Minuten
- Auswendig gelernte Antworten: Klingt roboterhaft
Kostenloser Download: Bewerbungsfragen Cheat Sheet
Die häufigsten Bewerbungsfragen und die STAR-Methode auf einen Blick – zum Ausdrucken oder Speichern auf dem Handy.
Kurz gesagt
Die meisten Fragen kennst du jetzt. Was fehlt: Üben. Nicht im Kopf – laut. Nimm dir eine Person deines Vertrauens und simulier das Gespräch. Oder nimm dich selbst auf. Klingt unangenehm? Ist es. Hilft aber.
Den kompletten Bewerbungsgespräch Guide findest du hier – von der Vorbereitung bis zum Follow-up.
Aber zuerst brauchst du den richtigen Job. Nejo findet ihn – 400.000+ Stellen, gematcht nach deinen Skills, nicht nach Keywords. Weil das beste Vorstellungsgespräch nichts bringt, wenn der Job nicht passt.
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