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Nervös im Bewerbungsgespräch? 8 Tipps, die sofort helfen

Bewerberin bereitet sich mental auf Vorstellungsgespräch vor und atmet tief durch

Dein Herz rast, deine Hände schwitzen, und dein Kopf ist plötzlich leer. Wenn dir das kurz vor einem Vorstellungsgespräch passiert, bist du nicht allein.

  • 56% der Bewerber:innen empfinden das Vorstellungsgespräch als besonders unangenehm – Nervosität ist vollkommen normal
  • Gründliche Vorbereitung ist der wichtigste Faktor: 47% scheitern wegen mangelnder Recherche
  • Wissenschaftlich belegte Atemtechniken (4-7-8-Methode, Cyclic Sighing) senken messbar Stress und Herzfrequenz
  • Ehrlichkeit über Nervosität nimmt ihr die Macht – Recruiter:innen sehen sie sogar positiv
  • Video-Interviews erfordern besondere Vorbereitung: Teste Technik 24 Stunden vorher

Laut einer Indeed-Studie empfinden 56% der Befragten in Deutschland das Vorstellungsgespräch als besonders unangenehm – bei jungen Menschen zwischen 16 und 20 Jahren sind es sogar 75%. Nervosität ist normal. Und du kannst lernen, damit umzugehen. Diese acht Strategien helfen dir, souverän zu bleiben – auch wenn dein Körper etwas anderes will.

Warum bist du nervös? (Das steckt dahinter)

Nervosität im Bewerbungsgespräch ist keine Schwäche. Sie zeigt, dass dir der Job wichtig ist.

35% der befragten Bewerber:innen in Deutschland nennen das Vorstellungsgespräch als Hauptauslöser für Angst beim Bewerbungsprozess.

Besonders betroffen sind Frauen mit 41%, während es bei Männern 30% sind.

Bei Studierenden und Menschen in Ausbildung fürchten 53% bzw. 48% das Gespräch stärker als ältere Bewerber:innen.

Infografik zu Nervosität nach Geschlecht und Alter bei Bewerbungsgesprächen in Deutschland
Infografik zu Nervosität nach Geschlecht und Alter bei Bewerbungsgesprächen in Deutschland

Warum reagiert dein Körper so stark? Bewertungssituationen aktivieren dein limbisches System – der Teil deines Gehirns, der Gefahren erkennt. Ein Vorstellungsgespräch ist keine echte Bedrohung, aber dein Körper interpretiert die Situation als Risiko: Du wirst beurteilt, deine berufliche Zukunft steht auf dem Spiel, und du kannst das Ergebnis nicht vollständig kontrollieren.

Die Reaktion ist evolutionär sinnvoll – nur leider nicht für Büros. Nervosität vor einem Säbelzahntiger? Hilfreich. Vor einer HR-Managerin? Weniger.

"Nervosität im Bewerbungsgespräch ist keine Schwäche. Sie zeigt, dass dir der Job wichtig ist."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Denk daran: Nervosität bedeutet nicht, dass du ungeeignet bist. Im Gegenteil – sie zeigt Engagement.

Körperliche Symptome erkennen – und annehmen

Dein Körper schickt klare Signale: Herzrasen, schwitzige Hände, zitternde Stimme, rote Flecken am Hals, trockener Mund, Magenschmerzen. Vielleicht hast du das Gefühl, dass alle diese Symptome sehen und verurteilen. Recruiter:innen haben das hundertfach gesehen. Sie wissen, dass körperliche Symptome wie Schwitzen und Herzrasen durch die Ausschüttung von Adrenalin und Cortisol entstehen, die das vegetative Nervensystem aktivieren und den Organismus in Alarmbereitschaft versetzen.

Illustration von körperlichen Nervositätssymptomen wie Herzrasen und schwitzenden Händen
Illustration von körperlichen Nervositätssymptomen wie Herzrasen und schwitzenden Händen

Du kannst diese Reaktion nicht willentlich abschalten. Der Sympathikus – der Teil deines Nervensystems, der für Kampf-oder-Flucht zuständig ist – übernimmt die Kontrolle. Dein Herz pumpt schneller, um Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen. Deine Handflächen schwitzen, weil dein Körper sich auf körperliche Anstrengung vorbereitet.

Was Recruiter:innen tatsächlich wahrnehmen: Eine leicht zitternde Stimme, gelegentliches Wegrutschen des Blickkontakts, Hände, die sich suchen. Aber sie bewerten dich nicht danach. Sie bewerten, wie du trotzdem kommunizierst, wie du dich vorbereitest hast, wie du mit Fragen umgehst.

Wichtig: Normale Nervosität unterscheidet sich von klinischer Angst. Dazu später mehr.

8 Tipps gegen Nervosität – das kannst du sofort tun

Diese acht Strategien helfen dir, Nervosität in den Griff zu bekommen – vor, während und nach dem Gespräch.

Tipp 1: Bereite dich gründlich vor

Mangelnde Vorbereitung ist einer der häufigsten Gründe für Nervosität. Wenn du nicht weißt, was auf dich zukommt, ist Angst die logische Reaktion.

Die harten Fakten: 47% der Bewerber:innen scheitern in Vorstellungsgesprächen, weil sie zu wenig über das Unternehmen recherchiert haben . Das ist vermeidbar.

Was gehört zur Vorbereitung?

Recherchiere das Unternehmen gründlich. Lies die Website, schau dir Pressemitteilungen an, such nach aktuellen Projekten. Verstehe die Mission, die Werte, die Produkte oder Dienstleistungen. Wenn du kannst, schau dir Mitarbeiter:innen-Bewertungen auf Kununu oder Glassdoor an.

Studiere die Stellenbeschreibung Satz für Satz. Welche Skills werden gesucht? Welche Aufgaben erwarten dich? Wo kannst du konkrete Beispiele aus deiner Erfahrung liefern?

Bereite Antworten auf Standard-Fragen vor: "Erzählen Sie von sich", "Warum wollen Sie hier arbeiten?", "Was sind Ihre Schwächen?" Dazu haben wir einen eigenen Artikel zu Schwächen im Bewerbungsgespräch.

Du musst die Antworten nicht auswendig lernen, aber überlege dir die Kernbotschaft, die du vermitteln willst.

Übe laut. Nicht nur im Kopf. Sprich die Antworten vor dem Spiegel oder mit Freund:innen durch. Dein Gehirn verarbeitet gesprochene Sprache anders als gedachte Sätze.

Praktischer Tipp: Erstelle ein einseitiges Cheat-Sheet mit den wichtigsten Unternehmensfakten, deinen drei stärksten Achievements und drei Fragen, die du stellen willst. Lies es 30 Minuten vor dem Gespräch durch.

Unsere Schritt-für-Schritt Checkliste zur Vorbereitung hilft dir, nichts zu vergessen.

Ein Teil der Vorbereitung ist auch, den richtigen Job zu finden – einen, der wirklich zu deinen Skills passt. Nejo durchsucht das Web rund um die Uhr nach passenden Jobs und informiert dich, sobald neue Stellen auftauchen. Skills-basiertes Matching statt Keyword-Suche – so landest du bei Jobs, für die du wirklich qualifiziert bist.

Tipp 2: Plane Logistik & Timing strategisch

Unbekannte Faktoren erhöhen Stress. Je mehr du kontrollierst, desto ruhiger bleibst du.

Bewerberin plant strategisch Anreise und Timing für Vorstellungsgespräch
Bewerberin plant strategisch Anreise und Timing für Vorstellungsgespräch

Mach einen Testlauf zum Interviewort – am besten ein oder zwei Tage vorher. Wie lange brauchst du? Wo parkst du oder welche Bahn musst du nehmen? Wo ist der Eingang? Diese scheinbar kleinen Details machen am Tag selbst den Unterschied.

Plane, 10 bis 15 Minuten früher anzukommen. Nicht 30 Minuten (das wirkt verzweifelt und setzt dich unter Druck), aber genug Puffer, falls die Bahn sich verspätet.

Wähle dein Outfit am Vorabend aus. Trag etwas, in dem du dich wohlfühlst und das zur Branche passt. Wenn du dich verkleidet fühlst, merkst du das – und deine Gesprächspartner:innen auch.

Vermeide Koffein zwei Stunden vor dem Gespräch. Kaffee beschleunigt deinen Herzschlag und verstärkt körperliche Nervositätssymptome. Trink stattdessen Wasser oder Kräutertee.

Iss eine leichte Mahlzeit ein bis zwei Stunden vorher. Nicht zu schwer (macht träge), aber auch nicht hungrig (lenkt ab).

Praktischer Tipp: Pack deine Tasche am Vorabend. Nimm mit: Mehrere Kopien deines Lebenslaufs, einen Notizblock, einen Stift, eine Wasserflasche, Pfefferminzbonbons. Checkliste abhaken = mentale Sicherheit.

Behandle die Anreise als Übergangsritual. Hör Musik, die dich beruhigt oder stärkt. Nutze die Zeit, um mental in den richtigen Modus zu kommen.

Tipp 3: Nutze Atemtechniken – wissenschaftlich belegt

Atemtechniken klingen esoterisch. Sind sie aber nicht. Die Wissenschaft ist eindeutig.

Eine Meta-Analyse aus 2023 untersuchte kontrollierte Atemtechniken bei über 785 Teilnehmer:innen und fand eine mittlere Effektgröße von etwa -0,35. Das bedeutet: Menschen, die regelmäßig Atemübungen machen, berichten deutlich weniger Stress, Angst und depressive Symptome.

Noch konkreter: Eine randomisierte Stanford-Studie von 2023 zeigte, dass bereits fünf Minuten tägliches Cyclic Sighing über vier Wochen zu messbaren Verbesserungen der Stimmung und einer deutlichen Senkung der Atem- und Herzfrequenz führte.

Infografik mit drei Atemtechniken gegen Nervosität im Bewerbungsgespräch
Infografik mit drei Atemtechniken gegen Nervosität im Bewerbungsgespräch

Drei Techniken, die sofort helfen:

4-7-8 Methode

Atme vier Sekunden lang durch die Nase ein, halte den Atem sieben Sekunden, atme acht Sekunden lang durch den Mund aus. Wiederhole das vier bis fünf Mal. Diese Technik aktiviert den Parasympathikus – den beruhigenden Gegenspieler des Sympathikus.

Cyclic Sighing

Atme tief ein, dann noch einmal kurz nach (Doppeleinatmung), dann lange und vollständig aus. Die lange Ausatmung signalisiert deinem Körper: Keine Gefahr. Die Stanford-Forschung zeigt, dass diese Methode besonders effektiv Herzfrequenz und Atemrate senkt.

Box Breathing

Vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden halten. Diese Technik nutzen Navy SEALs in Stresssituationen – sie schafft Rhythmus und Kontrolle.

"Langsames, kontrolliertes Atmen sendet ein Signal an dein Gehirn: Die Situation ist nicht lebensbedrohlich."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Warum funktioniert das? Langsames, kontrolliertes Atmen sendet ein Signal an dein Gehirn: Die Situation ist nicht lebensbedrohlich. Der Vagusnerv wird aktiviert, Herzfrequenz und Blutdruck sinken, Cortisol wird abgebaut.

Praktischer Tipp: Übe diese Techniken eine Woche vor dem Gespräch täglich für fünf Minuten. Am Interviewtag selbst: Nutze sie fünf Minuten vorher im Auto oder auf der Toilette. Im Gespräch kannst du sogar diskret eine lange Ausatmung machen, wenn du eine Antwort vorbereitest.

Tipp 4: Nutze deinen Körper – Bewegung & Haltung

Dein Geist beeinflusst deinen Körper. Aber der Körper beeinflusst auch deinen Geist.

Selbstbewusste Körperhaltung und Power Posing vor Bewerbungsgespräch
Selbstbewusste Körperhaltung und Power Posing vor Bewerbungsgespräch

Beweg dich vor dem Gespräch. Ein zehnminütiger Spaziergang oder leichte Dehnübungen verbrennen überschüssiges Adrenalin. Wenn du im Auto sitzt, dreh eine Runde um den Block. Das reduziert körperliche Anspannung messbar.

Power Posing hilft tatsächlich. Steh zwei Minuten lang in einer selbstbewussten Haltung: Hände in die Hüften, Schultern zurück, Brust raus. Das klingt albern, aber Studien zeigen, dass diese Haltung Testosteron erhöht und Cortisol senkt. Mach das in einer Toilettenkabine vor dem Gespräch – niemand sieht dich, aber du fühlst dich sicherer.

Während des Gesprächs: Sitz aufrecht, Füße fest auf dem Boden, Hände sichtbar auf dem Tisch oder im Schoß. Halte Augenkontakt – nicht starr, aber regelmäßig. Das signalisiert Selbstvertrauen, auch wenn du nervös bist.

Mikrobewegungen helfen: Wenn deine Hände zittern, halte einen Stift. Wenn deine Beine unruhig sind, wiggle diskret mit den Zehen in deinen Schuhen. Diese unsichtbaren Ventile lassen Stress ab, ohne dass es jemand merkt.

Lächle. Sogar ein bewusstes Lächeln sendet Signale an dein Gehirn: Du bist in Sicherheit, du bist freundlich, die Situation ist positiv. Recruiter:innen nehmen dich als zugänglicher wahr.

Praktischer Tipp: Bevor du das Gebäude betrittst, nimm dir zwei Minuten in einem ruhigen Bereich (Toilette, Treppenhaus, Auto). Power Pose, tiefes Atmen, dann Schultern rollen und lächeln. Jetzt bist du bereit.

Tipp 5: Sei ehrlich über deine Nervosität

Recruiter:innen sind Menschen. Sie verstehen Nervosität. Viele sehen sie sogar als positives Zeichen – du nimmst den Job ernst.

Das Paradoxe: Nervosität zu benennen, nimmt ihr die Macht. In der Psychologie nennt man das Affect Labeling – das Benennen eines Gefühls reduziert seine Intensität.

Was du sagen kannst: "Ich bin etwas aufgeregt, aber freue mich sehr auf unser Gespräch." Das ist authentisch, zeigt Selbstreflexion und Enthusiasmus. Sag es mit einem Lächeln, nicht entschuldigend.

Was du nicht sagen solltest: "Entschuldigung, ich bin total nervös und kann gerade nicht klar denken." Das verstärkt den Eindruck und setzt dich noch mehr unter Druck.

Überraschung: Die meisten Recruiter:innen reagieren positiv auf Ehrlichkeit. Sie wissen, dass das Gespräch eine unnatürliche Situation ist. Viele werden dich direkt beruhigen: "Kein Problem, nehmen Sie sich Zeit."

"Nervosität zu benennen, nimmt ihr die Macht. In der Psychologie nennt man das Affect Labeling – das Benennen eines Gefühls reduziert seine Intensität."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Praktischer Tipp: Übe diesen Satz laut, bis er sich natürlich anfühlt. Sag ihn in den ersten zwei Minuten, wenn du dich setzt – dann ist es raus, und du kannst dich aufs Gespräch konzentrieren.

Tipp 6: „Reframing“ statt Unterdrückung – dein Mindset zählt

Nervosität und Aufregung fühlen sich körperlich identisch an. Schneller Herzschlag, erhöhte Wachsamkeit, Kribbeln. Der Unterschied liegt in deiner Interpretation.

Sag dir: "Ich bin aufgeregt" statt "Ich bin nervös". Das klingt nach Semantik, aber dein Gehirn verarbeitet die Worte unterschiedlich. Aufregung ist positiv, Nervosität negativ. Die physiologische Reaktion bleibt – aber deine mentale Bewertung ändert sich.

Fokussiere auf das, was du kontrollierst. Du kannst nicht kontrollieren, ob die Recruiter:innen dich mögen. Du kannst kontrollieren, wie gut du vorbereitet bist, wie ehrlich du antwortest, welche Fragen du stellst.

Visualisiere Erfolg. Stell dir vor, wie du selbstbewusst antwortest, wie das Gespräch gut verläuft, wie du am Ende die Hände schüttelst und dich gut fühlst. Diese mentale Probe aktiviert dieselben neuronalen Bahnen wie die tatsächliche Handlung.

Denk daran: Es ist ein Gespräch auf Augenhöhe. Du bewertest auch das Unternehmen. Willst du wirklich hier arbeiten? Passt die Kultur zu dir? Das nimmt Druck raus – du bist nicht der einzige, der beurteilt wird.

Lass Perfektionismus los. Eine unbeholfene Antwort ruiniert nicht das gesamte Gespräch. Recruiter:innen bewerten das Gesamtbild, nicht jeden einzelnen Satz.

Praktischer Tipp: Schreib drei Dinge auf, auf die du dich bei diesem Job freust. Lies sie vor dem Gespräch. Das verschiebt deinen mentalen Fokus von Angst zu Vorfreude.

Tipp 7: Spezial-Tipp für Video-Interviews

Video-Interviews bringen eigene Herausforderungen – und eigene Nervositätsquellen.

Professionelles Video-Interview Setup mit Laptop, Beleuchtung und aufgeräumtem Hintergrund
Professionelles Video-Interview Setup mit Laptop, Beleuchtung und aufgeräumtem Hintergrund

Technischer Stress ist real. Wenn du nicht weißt, ob deine Kamera funktioniert, häufst du Unsicherheit auf Nervosität. Die Lösung: Teste alles 24 Stunden vorher. Kamera, Mikrofon, Internetverbindung, die Plattform (Zoom, Teams, Google Meet).

Licht macht den Unterschied. Setz dich mit Blick auf ein Fenster oder stell eine Lampe vor dich. Licht von hinten lässt dich wie eine Silhouette aussehen – von vorne siehst du professionell und klar aus.

Kamerawinkel: Die Kamera sollte auf Augenhöhe sein, nicht von unten oder oben. Stapel Bücher unter deinen Laptop, wenn nötig. Schau in die Kamera, wenn du sprichst, nicht auf dein eigenes Bild oder auf das Bild der anderen Person.

Hintergrund: Sauber, professionell, keine Ablenkungen. Keine Wäscheberge, keine Poster, die Fragen aufwerfen.

Zieh dich komplett professionell an – auch die Hose, auch wenn niemand sie sieht. Dein Mindset ändert sich, wenn du vollständig "bereit" bist. Wenn du in Jogginghose sitzt, fühlst du dich weniger professionell.

Nervöse Gewohnheit: Viele schauen ständig auf ihr eigenes Videobild. Das lenkt ab und verstärkt Selbstkritik. Minimiere oder verberge deine Ansicht, wenn möglich.

Praktischer Tipp: Mach einen Mock-Video-Call mit einer Freundin oder einem Freund am Tag vorher. Nimm das Gespräch auf und schau es dir an. Das reduziert die "Fremdheit" des Formats und zeigt dir, wie du wirkst.

Wenn du mehr über Video-Interviews wissen willst, haben wir einen ausführlichen Guide zu Video-Interviews .

Tipp 8: Was tun bei Blackout oder Panikattacke?

Selbst mit perfekter Vorbereitung kann es passieren: Dein Kopf wird leer. Oder schlimmer – eine Panikattacke überfällt dich.

Bei einem Blackout:

Pause. Atme tief durch. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Professionalität.

Sag ehrlich: "Gute Frage, lassen Sie mich kurz nachdenken" oder "Könnten Sie die Frage wiederholen?" Recruiter:innen respektieren Nachdenklichkeit.

Trink Wasser. Das gibt dir Zeit, erdet dich physisch und signalisiert eine kurze Pause.

Fang nicht an zu raten oder zu fabulieren. Wenn du die Antwort wirklich nicht weißt, ist Ehrlichkeit besser: "Das kann ich gerade nicht konkret beantworten, aber ich kann Ihnen sagen, wie ich damit umgehen würde..."

Denk daran: Recruiter:innen bewerten nicht, ob du einmal ins Stocken gerätst. Sie bewerten, wie du dich davon erholst.

Bei einer Panikattacke:

Erkenne die Symptome: Rasendes Herz, Atemnot, Gefühl drohenden Unheils, Schwindel, das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.

Wenn das passiert: Entschuldige dich kurz – "Entschuldigen Sie mich einen Moment" – und geh auf die Toilette. Dort: 4-7-8-Atmung, kaltes Wasser ins Gesicht, fünf Dinge benennen, die du siehst (das erdet dich im Hier und Jetzt).

Wenn Panikattacken wiederholt auftreten, ist das mehr als normale Nervosität. Dazu gleich mehr.

Praktischer Tipp: Hab eine "Sicherheitsphrase" parat: "Das ist eine wichtige Frage. Darf ich einen Moment überlegen?" Nutze sie, wann immer du Luft brauchst. Niemand wird das als Schwäche sehen.

Wenn du mehr über typische Fragen und wie du sie beantworten kannst wissen willst, schau dir unseren Artikel zu 50+ typischen Bewerbungsfragen an.

Wann wird Nervosität zum Problem? (Normal vs. klinische Angst)

Normale Nervosität ist unangenehm, aber sie hält dich nicht ab. Klinische Angststörungen tun das.

Normale Nervosität:

  • Tritt kurz vor und während des Gesprächs auf
  • Geht danach weg
  • Hindert dich nicht daran, zum Interview zu gehen
  • Wird durch Vorbereitung und Techniken besser

Klinische Angst:

  • Generalisierte Angststörung, soziale Phobie, Panikstörung
  • Symptome beginnen Tage oder Wochen vorher
  • Du sagst Interviews ab, weil die Angst überwältigend ist
  • Körperliche Symptome sind so stark, dass du nicht schlafen oder essen kannst
  • Du vermeidest Bewerbungen, weil du Angst vor dem Gespräch hast
  • Panikattacken treten wiederholt auf

Wenn du drei oder mehr Interviews aus Angst abgesagt hast, ist das ein Warnsignal. Wenn Nervosität deine Karrierechancen ruiniert, brauchst du professionelle Unterstützung.

Angststörungen sind behandelbar. Verhaltenstherapie, besonders Expositionstherapie, ist wissenschaftlich belegt wirksam. Du lernst, dich der Situation schrittweise zu stellen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Wo du Hilfe findest: Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann dich zu Therapeut:innen überweisen. Die Kassenärztliche Vereinigung hat Vermittlungsstellen. Universitäten bieten oft psychologische Beratung für Studierende an.

Es gibt keine Scham darin, Hilfe zu suchen. Angststörungen sind häufig, real und behandelbar. Du musst das nicht alleine durchstehen.

Was Personaler wirklich über nervöse Bewerber:innen denken

Recruiter:innen sehen Nervosität positiv.

Warum? Weil sie zeigt, dass du den Job ernst nimmst. Jemand, der völlig gleichgültig wirkt, sendet das Signal: "Ist mir egal, ob ich hier arbeite." Jemand, der leicht nervös ist, signalisiert: "Das ist mir wichtig."

Recruiter:innen haben hunderte nervöse Kandidat:innen gesehen. Du bist nicht die erste Person, deren Hände zittern oder die mal ins Stocken gerät. Sie wissen, dass ein Vorstellungsgespräch eine künstliche, stressige Situation ist.

"Recruiter:innen bewerten nicht, ob du nervös bist, sondern wie du damit umgehst. Zeigst du trotzdem Vorbereitung? Antwortest du ehrlich? Erholst du dich von einem Blackout?"

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Was sie bewerten, ist nicht, ob du nervös bist, sondern wie du damit umgehst. Zeigst du trotzdem Vorbereitung? Antwortest du ehrlich? Stellst du durchdachte Fragen? Erholst du dich von einem Blackout?

Manche Interviewer:innen stellen bewusst Stressfragen, um zu testen, wie du unter Druck reagierst. Das ist nicht böse gemeint – sie wollen sehen, ob du in schwierigen Situationen ruhig bleibst. Deine beste Waffe: Authentizität und Ehrlichkeit.

Denk daran: Recruiter:innen wollen, dass du Erfolg hast. Sie brauchen jemanden für die Stelle. Sie sind nicht deine Gegner – sie sind deine potenziellen Verbündeten. Sie hoffen, dass du die richtige Person bist.

Nach dem Gespräch – Umgang mit Nervosität im Nachhinein

Das Gespräch ist vorbei. Jetzt beginnt eine andere Art von Nervosität: Warten auf die Antwort. Gedankenschleifen über das, was du hättest anders sagen sollen.

Das ist normal. Aber es ist nicht hilfreich.

Tu das nicht: Obsessiv jeden Satz analysieren, den du gesagt hast. "Hätte ich bei der Frage zu Teamarbeit ein besseres Beispiel nennen sollen?" Du kannst es nicht ändern. Diese Grübeleien rauben dir Energie und bringen nichts.

Tu das stattdessen: Schreib eine kurze, professionelle Dankes-E-Mail innerhalb von 24 Stunden. Bedanke dich für die Zeit, wiederhole kurz dein Interesse, erwähne vielleicht einen Punkt aus dem Gespräch, der dir besonders gut gefallen hat. Das zeigt Professionalität und gibt dir mentalen Abschluss.

Reflektiere konstruktiv: Was lief gut? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen? Schreib zwei bis drei Punkte auf – dann lass es los.

Kanalisiere die nervöse Energie: Bewirb dich weiter. Übe für das nächste Gespräch. Bleib aktiv. Warten heißt nicht Stillstand.

Gib dir selbst 24 Stunden zum Nachdenken, dann move on. Jedes Gespräch ist Übung. Du wirst besser.

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Nervositäts-Checkliste: Atemtechniken & Notfall-Strategien

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