Die meisten Bewerbungen? Mittelmäßig, sagen Recruiter. Nicht wegen fehlender Qualifikation – sondern wegen vermeidbarer Fehler im Gespräch. Diese 10 Regeln helfen dir, es besser zu machen.
- Gründliche Unternehmensrecherche und konkrete STAR-Beispiele zeigen Professionalität und heben dich von der Masse ab
- Körpersprache entscheidet in Sekunden über den ersten Eindruck – fester Händedruck, Augenkontakt und offene Haltung signalisieren Selbstbewusstsein
- Das richtige Timing bei der Gehaltsfrage ist entscheidend: Erst Mehrwert zeigen, dann verhandeln mit begründeter Range
- Video-Interviews erfordern besondere Vorbereitung – Technik, Licht, Kameraposition und bewusste Kommunikation machen den Unterschied
Regel 1 – Bereite dich gründlich auf das Unternehmen vor
Recruiter merken sofort, ob du dich vorbereitet hast oder nur Standardantworten absulst.
Laut einer StepStone-Studie werden 71% der Bewerbungen aussortiert, weil relevante Fähigkeiten fehlen oder nicht klar kommuniziert werden. Deine Aufgabe: Zeig, dass du genau verstehst, was der Job erfordert – und wie du diese Anforderungen erfüllst.
Was du konkret tun solltest:
Recherchiere die letzten drei Monate des Unternehmens. Welche Produkte wurden gelauncht? Welche Herausforderungen gibt es in der Branche? Schau auf LinkedIn, was aktuelle Mitarbeiter:innen über ihre Projekte posten. Lies die Unternehmenswerte – nicht nur oberflächlich, sondern überlege dir, wie du sie in deinem Arbeitsalltag lebst.
Bereite 2-3 Fragen vor, die zeigen, dass du mitdenkst. Nicht: "Was macht Ihr Unternehmen?" Sondern: "Ich habe gesehen, dass ihr letzten Monat euer KI-Tool gelauncht habt. Wie wirkt sich das auf die Aufgaben in diesem Team aus?"
Schwache Frage: "Welche Weiterbildungen bieten Sie an?"
Starke Frage: "Ihr neues Produktfeature erfordert Skills in Bereich X – plant ihr interne Schulungen dafür oder setzt ihr auf externes Know-how?"
"Der Unterschied? Die zweite Frage zeigt, dass du dich informiert hast, strategisch denkst und bereits überlegst, wie du beitragen kannst."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo

Regel 2 – Kleide dich passend zur Branche
Overdressed ist besser als underdressed. Aber am besten: passend. Ein Anzug im Startup wirkt steif. Sneakers in der Anwaltskanzlei wirken respektlos. Deine Kleidung soll zeigen: Ich verstehe diese Kultur und gehöre hierher.
Branchenspezifische Guidelines:
Corporate (Banken, Consulting, Recht): Anzug oder Kostüm, gedeckte Farben, polierte Schuhe. Hier zählt formelle Professionalität.
Tech und Startups: Business Casual reicht meist – gepflegte Jeans, Hemd ohne Krawatte, saubere Sneakers sind okay. Aber: nicht zu lässig. Du bist im Interview, nicht im Coworking Space.
Kreativbranche: Hier darfst du Persönlichkeit zeigen, aber professionell bleiben. Gepflegter individueller Stil ist ein Plus.
Wichtig bei Video-Interviews: Zieh dich komplett an, nicht nur oben. Das wirkt sich auf deine Haltung und Ausstrahlung aus. Neutraler Hintergrund, gutes Licht von vorne, Kamera auf Augenhöhe.
Falls du unsicher bist, hilft ein Blick auf die Unternehmenskultur. Bei Nejo siehst du vor der Bewerbung, welchen Vibe ein Unternehmen hat. Hilft bei der Dresscode-Frage.
Detaillierte Outfit-Tipps nach Branche, Farben und Budget haben wir in einem eigenen Guide zusammengestellt.

Regel 3 – Sei pünktlich – aber nicht überpünktlich
5-10 Minuten vor dem Termin ist ideal. Mehr als 15 Minuten zu früh wirkt drängend, nicht enthusiastisch. Die Recruiter:innen sind noch in anderen Terminen, und du sitzt nervös im Wartebereich.
Die richtige Strategie:
Plane deine Route so, dass du 20 Minuten vor dem Termin in der Nähe bist. Nutze die Zeit in einem Café in der Umgebung: Trink einen Kaffee, geh nochmal die wichtigsten Punkte durch, atme durch. Dann gehst du entspannt und pünktlich rein.
Falls du dich verspätest – aus welchem Grund auch immer – ruf sofort an. Nicht fünf Minuten nach Termin, sondern sobald du merkst, dass es knapp wird. Erkläre kurz den Grund, entschuldige dich und gib eine realistische neue Ankunftszeit an.
Was du NICHT tun solltest: 30 Minuten zu früh erscheinen und erwarten, dass man dich sofort empfängt. Das zeugt nicht von Enthusiasmus, sondern von mangelndem Gespür für professionelle Abläufe.
Regel 4 – Mache einen starken ersten Eindruck (Körpersprache)
Eine Meta-Analyse der Uni Münster zeigt: Der erste Eindruck entsteht in Sekunden. Körpersprache prägt die Wahrnehmung von Extraversion und emotionaler Stabilität. Ein fester Händedruck, Augenkontakt und aufrechte Haltung signalisieren: Ich bin selbstbewusst, aber nicht arrogant.
Die wichtigsten Körpersprache-Signale:
Händedruck: Fest, aber nicht zerquetschend. Eine Sekunde halten, Augenkontakt dabei.
Haltung: Schultern zurück, Rücken gerade. Setz dich aufrecht hin, aber nicht stocksteif. Du darfst dich anlehnen – nur nicht zusammensacken.
Blickkontakt: Halte Blickkontakt, aber starre nicht. Bei mehreren Gesprächspartner:innen rotiere deinen Blick natürlich zwischen ihnen.
Offene Körpersprache: Keine verschränkten Arme. Hände auf dem Tisch oder in Gesten einbeziehen. Zeig, dass du offen und engagiert bist.
Lächeln: Echtes Lächeln, nicht aufgesetzt. Es entspannt die Atmosphäre und macht dich sympathisch.

Der Unterschied zwischen selbstbewusst und arrogant:
Selbstbewusst: Du nimmst Raum ein, ohne andere zu verdrängen. Du hörst zu, bevor du sprichst. Du nickst, wenn jemand anderes redet.
Arrogant: Du unterbrichst, lehnst dich zu weit zurück (als wäre der Stuhl dein Thron), vermeidest Blickkontakt oder starrst herausfordernd.
Deine Körpersprache sollte sagen: Ich bin kompetent und ich will hier sein. Nicht: Ich bin besser als ihr.

Regel 5 – Strukturiere deine Selbstpräsentation (2-5 Minuten)
"Erzählen Sie etwas über sich" ist keine Einladung, deinen Lebenslauf vorzulesen. Die Recruiter:innen haben den schon. Was sie wirklich wissen wollen: Wer bist du, warum bist du hier, und warum sollten wir dich wählen?
Die bewährte Struktur: Gegenwart → Vergangenheit → Zukunft
Gegenwart (30 Sekunden): "Aktuell arbeite ich als [Position] bei [Firma], wo ich [Hauptverantwortung] übernehme. Besonders stolz bin ich auf [konkretes Projekt/Ergebnis]."
Vergangenheit (60 Sekunden): "Zu dieser Rolle bin ich gekommen, weil [relevanter Werdegang]. Bei [frühere Station] habe ich [Skill] entwickelt, der mir heute bei [aktuelle Herausforderung] hilft."
Zukunft (30 Sekunden): "Der nächste Schritt ist für mich [dieser Job], weil [spezifische Gründe, die sich auf das Unternehmen beziehen]. Besonders reizt mich [konkretes Element der Stelle]."
Konkret statt vage:
❌ "Ich bin ein kommunikativer Teamplayer mit Leidenschaft für digitale Innovation."
✅ "In meinem aktuellen Team koordiniere ich die Schnittstelle zwischen Entwicklung und Sales. Als unser CRM-System migriert werden musste, habe ich beide Teams an einen Tisch gebracht – das hat uns drei Wochen Verzögerung erspart."
Übe deine Selbstpräsentation laut. Nimm dich auf. Hör dir zu. Klingt es natürlich oder auswendig gelernt? Du sollst Struktur haben, aber nicht roboterhaft klingen.
Regel 6 – Antworte ehrlich und authentisch
Recruiter haben hunderte Bewerbungsgespräche geführt. Sie merken sofort, wenn du bluffst.
Laut einer Studie der Uni Bamberg ist unpassender Inhalt – also wenn Kandidat:innen Fähigkeiten vortäuschen oder nicht zur Stelle passen – der größte Bewerbungsfehler aus Recruitersicht.
Was Ehrlichkeit in der Praxis bedeutet:
Wenn du eine Frage nicht beantworten kannst, sag es. Aber zeige deinen Lösungsansatz: "Das habe ich noch nicht gemacht, aber ich würde so vorgehen: [erkläre deinen Denkprozess]. Wie wird das bei euch gehandhabt?"
Die Schwächen-Frage richtig beantworten:
❌ "Ich bin Perfektionist" (klassische Pseudo-Schwäche)
❌ "Ich habe keine Schwächen" (arrogant und unrealistisch)
✅ "Ich neige dazu, zu viel auf einmal anzufangen. Deswegen arbeite ich jetzt mit einem Kanban-Board, um den Fokus zu behalten. Hat meine Produktivität massiv verbessert."
Authentizität bedeutet auch: Teile echte Beispiele aus deiner Arbeit. Nicht: "Ich bin teamfähig." Sondern: "Letztes Quartal hat unser Team eine Deadline fast verpasst. Ich habe zwei Überstunden-Sessions organisiert, Pizza bestellt und am Ende haben wir pünktlich geliefert."
Konkrete Geschichten bleiben hängen. Generische Adjektive vergisst man sofort.
"Konkrete Geschichten bleiben hängen. Generische Adjektive vergisst man sofort."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Regel 7 – Bereite konkrete Beispiele vor (STAR-Methode)
Wenn Recruiter fragen "Erzählen Sie von einer Situation, in der..." wollen sie keine Theorie. Sie wollen Beweise, dass du die Skills wirklich hast. Die STAR-Methode hilft dir, strukturiert und überzeugend zu antworten.
STAR steht für:
- Situation: Was war der Kontext?
- Task: Was war deine Aufgabe/Herausforderung?
- Action: Was hast du konkret getan?
- Result: Was war das Ergebnis?

Beispiel für eine vollständige STAR-Antwort:
Frage: "Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie unter Druck eine Lösung finden mussten."
Situation: "In meinem letzten Projekt hatten wir drei Tage vor Launch festgestellt, dass ein Kernfeature nicht funktioniert. Der Kunde erwartete pünktliche Lieferung."
Task: "Als Projektlead musste ich entscheiden: Launch verschieben oder abgespeckter launchen und nachliefern. Beides hatte Risiken."
Action: "Ich habe ein 30-Minuten-Meeting mit Entwicklung, Sales und dem Kunden einberufen. Wir haben transparent kommuniziert, dass Feature X noch zwei Wochen braucht, aber Features Y und Z stabil laufen. Ich habe vorgeschlagen: Launch mit Y und Z, Feature X als Update in Woche 2. Der Kunde war einverstanden, weil er uns vertraut hat."
Result: "Wir haben pünktlich gelauncht. Feature X kam zwei Wochen später. Der Kunde war so zufrieden mit der Kommunikation, dass wir einen Folgeauftrag bekommen haben."
Spezifisch, zeigt mehrere Skills gleichzeitig, messbares Ergebnis.
Bereite 3-5 STAR-Geschichten vor, die unterschiedliche Skills abdecken:
- Teamarbeit
- Problemlösung unter Druck
- Konfliktlösung
- Initiative/Eigenverantwortung
- Fehler eingestehen und daraus lernen
Übe sie laut. Du sollst nicht auswendig lernen, aber die Struktur muss sitzen.
Ausführlichen Guide zur STAR-Methode mit 5 Beispiel-Antworten findest du hier.
Regel 8 – Höre aktiv zu und stelle Rückfragen
Ein Bewerbungsgespräch ist kein Verhör. Es ist ein Dialog. Recruiter wollen sehen, dass du zuhörst, verstehst und mitdenkst – nicht nur auf Autopilot antwortest.
Aktives Zuhören in der Praxis:
Lass die Recruiter:innen ausreden. Auch wenn du deine Antwort schon im Kopf hast – warte zwei Sekunden, bevor du sprichst. Das zeigt Respekt und gibt dir Zeit, die Frage wirklich zu durchdenken.
Wenn eine Frage unklar ist, paraphrasiere: "Verstehe ich richtig, dass Sie wissen möchten, wie ich mit [spezifische Situation] umgehe?"
Mach dir Notizen, wenn angebracht. Zeigt, dass du die Infos ernst nimmst.
Deine Fragen sind mindestens so wichtig wie deine Antworten:
Schwache Fragen zeigen: Du willst nur irgendeinen Job. Starke Fragen zeigen: Du willst DIESEN Job und denkst strategisch mit.
5 starke Fragen, die du stellen kannst:
- "Was sind die größten Herausforderungen, die diese Rolle in den ersten 90 Tagen lösen muss?"
- "Wie sieht Erfolg in dieser Position nach einem Jahr aus?"
- "Wie würden Sie die Teamdynamik beschreiben? Wie arbeitet ihr zusammen?"
- "Welche Skills sind euch in dieser Rolle am wichtigsten – und wie unterstützt ihr die Weiterentwicklung?"
- "Was hat Sie persönlich bewogen, hier zu arbeiten – und was hält Sie hier?"
Was du NICHT fragen solltest (zumindest nicht im ersten Gespräch):
- "Wie viele Urlaubstage habe ich?"
- "Kann ich Home-Office machen?" (außer es ist Teil der Stelle)
- "Wann bekomme ich eine Gehaltserhöhung?"
Diese Fragen kannst du stellen – aber erst, wenn klar ist, dass beide Seiten ernsthaft interessiert sind.
Regel 9 – Meistere die Gehaltsfrage zum richtigen Zeitpunkt
Die Gehaltsfrage ist heikel – nicht weil sie tabu ist, sondern weil das Timing entscheidend ist. Zu früh, und du wirkst geldgierig. Zu spät, und du verpasst die Chance zu verhandeln.
Das richtige Timing:
Bring das Gehalt NICHT im ersten Satz. Warte, bis die Recruiter:innen danach fragen – oder bis zum Ende des Gesprächs, wenn klar ist, dass beide Seiten interessiert sind.
Wenn sie fragen "Was sind Ihre Gehaltsvorstellungen?", bist du vorbereitet. Recherchiere vorher Marktdaten für deine Rolle, Branche und Region. Tools wie Kununu Gehaltscheck oder Stepstone Gehaltsreport helfen.

Wie du deine Gehaltsforderung formulierst:
Nenne eine Range, keinen fixen Betrag. "Basierend auf meiner Erfahrung und den Marktdaten für diese Rolle bewegt sich meine Vorstellung zwischen 55.000 und 62.000 Euro brutto jährlich."
Das gibt Verhandlungsspielraum und zeigt, dass du dich informiert hast.
Deine Verhandlungsposition 2026:
Laut WSI Tarifarchiv stiegen Tariflöhne 2024 nominal um durchschnittlich 5,5%. Arbeitgeber erwarten Gehaltsforderungen und planen Puffer ein. Du SOLLST verhandeln.
Was du NICHT tun solltest:
❌ Im ersten Gespräch mit "Ich will mindestens X" starten.
❌ Dein aktuelles Gehalt als Basis nehmen ("Ich verdiene jetzt X, also will ich X+10%"). Dein Marktwert zählt, nicht dein aktueller Arbeitgeber.
❌ Ohne Begründung eine Zahl nennen. Erkläre, warum: "Diese Range basiert auf meinen 5 Jahren Erfahrung in Bereich X, meiner Zertifizierung in Y und den Marktdaten für diese Region."
Selbstbewusst, aber begründet. Das reicht.
Verhandlungsstrategien und konkrete Formulierungen findest du in unserem Guide zur Gehaltsverhandlung.
"Selbstbewusst, aber begründet. Das ist die Balance bei der Gehaltsverhandlung."
Simona Hübl
Co-Founder Nejo
Regel 10 – Schließe stark ab und bereite die Nachbereitung vor
Die letzten zwei Minuten des Gesprächs sind genauso wichtig wie die ersten. Hier zeigst du, dass du ernsthaft interessiert bist – und gibst ihnen einen Grund, sich an dich zu erinnern.
Wie du stark abschließt:
Bedanke dich für die Zeit und das Gespräch. Benenne konkret, was du spannend fandest: "Vielen Dank für das Gespräch. Besonders interessant fand ich, was Sie über [spezifisches Projekt] erzählt haben – das ist genau die Richtung, in die ich mich entwickeln will."
Frag nach den nächsten Schritten: "Wie sieht der weitere Prozess aus? Bis wann kann ich mit einer Rückmeldung rechnen?"
Das zeigt Initiative und hilft dir, realistisch zu planen.
Die Follow-up-Mail innerhalb von 24 Stunden:
Kurz, präzise, persönlich. Keine Roman, keine generische Vorlage.
Beispiel-Struktur:
Betreff: Danke für das Gespräch – [Dein Name] | [Position]
Sehr geehrte/r [Name],
vielen Dank für das Gespräch gestern. Der Austausch über [spezifisches Thema aus dem Gespräch] hat mich bestärkt, dass die Rolle als [Position] genau der richtige nächste Schritt für mich ist.
Besonders spannend fand ich [konkreter Punkt]. Das passt perfekt zu meiner Erfahrung in [Bereich].
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung und stehe jederzeit für weitere Gespräche zur Verfügung.
Beste Grüße, [Dein Name]
Kurz, konkret, persönlich. Mehr braucht es nicht.
Was du NICHT schreiben solltest: "Ich hoffe, ich konnte überzeugen" (unsicher) oder "Ich bin die perfekte Besetzung" (arrogant).
Bonus-Regel: Meistere Video-Interviews mit diesen Extras
Video-Interviews sind Standard geworden – aber sie sind tückisch.
Laut einer Studie der Uni Ulm schneiden Bewerber:innen in Video-Interviews schlechter ab als bei persönlichen Gesprächen – selbst bei identischen Antworten. Der Grund: Impression Management (nonverbale Signale, Blickkontakt) wirkt schwächer über den Bildschirm.
Du musst in Video-Interviews bewusster kommunizieren.

Die technische Vorbereitung (30 Minuten vorher)
Test deine Technik. Funktioniert die Kamera? Mikro? Internet stabil? Nutze die gleiche Plattform wie im Interview (Zoom, Teams, etc.).
Schließe alle anderen Programme. Nichts ist peinlicher als Pop-up-Benachrichtigungen während des Gesprächs.
Kamera und Licht
Positioniere die Kamera auf Augenhöhe. Nicht von unten (Doppelkinn-Perspektive) oder von oben (herablassend). Ideal: Laptop auf Bücherstapel oder externer Monitor.
Licht von vorne, nicht von hinten. Ein Fenster hinter dir macht dich zur Silhouette. Ringlight oder Schreibtischlampe vor dir – das macht den Unterschied.
Neutraler Hintergrund. Keine unaufgeräumten Regale, keine WG-Küche im Chaos. Wenn du keinen neutralen Raum hast: virtueller Hintergrund in dezenter Farbe.
Blickkontakt simulieren
Schau in die Kamera, nicht auf den Bildschirm. Das fühlt sich unnatürlich an, wirkt aber wie echter Augenkontakt. Übe das vorher.
Kleidung
Zieh dich komplett an, nicht nur oben. Klingt absurd, aber es beeinflusst deine Haltung und Ausstrahlung. Du sitzt aufrechter, wenn du nicht in Jogginghose steckst.
Kommunikation anpassen
Sprich 10% langsamer und deutlicher als sonst. Übertragungsverzögerungen können dich sonst hektisch wirken lassen.
Nicke bewusst, wenn du zuhörst. Über Video wirken kleine Gesten größer – nutze das.
Der größte Fehler im Video-Interview: Zu entspannt werden, weil du zuhause bist. Behandle es mit der gleichen Professionalität wie ein persönliches Gespräch. Stell dir vor, sie sitzen dir gegenüber.
Frequently Asked Questions
Was ist ein No-Go bei einem Vorstellungsgespräch?
Unpünktlichkeit ohne Anruf ist das absolute No-Go. Es zeigt mangelnden Respekt für die Zeit der Recruiter:innen. Wenn du zu spät kommst, ruf sofort an – nicht erst, wenn du ankommst.
Unwahrheiten im Lebenslauf oder Gespräch.
Laut Uni Bamberg ist unpassender Inhalt – wenn Kandidat:innen Skills vortäuschen – der größte Bewerbungsfehler aus Recruitersicht. Du wirst auffliegen, spätestens im Job. Ehrlichkeit ist nicht optional.
Schlechte Vorbereitung. Wenn du nicht weißt, was das Unternehmen macht, warum sollten sie dich einstellen? Keine Ahnung vom Job oder der Branche zu haben, signalisiert: Du willst irgendeinen Job, nicht DIESEN Job.
Unangemessene Kleidung. Zu lässig wirkt respektlos, zu overdressed wirkt weltfremd. Recherchiere die Branche und kleide dich entsprechend.
Handy klingelt während des Gesprächs. Schalte es aus. Nicht stumm – aus. Ein Vibrieren auf dem Tisch reicht, um dich (und die Recruiter:innen) abzulenken.
Über Ex-Arbeitgeber lästern. Auch wenn dein letzter Job die Hölle war – sag es nicht. Es wirkt unprofessionell und lässt Recruiter denken: "So redet die Person später auch über uns."
Gehaltsverhandlung im ersten Satz. Geld ist wichtig, aber starte nicht damit. Zeig erst, was du kannst – dann kannst du über den Wert sprechen.
Welche Fehler sollte man beim Vorstellungsgespräch vermeiden?
Zu viel oder zu wenig reden. Manche Kandidat:innen antworten in Romanen, andere in Einsilbern. Die Balance: 1-2 Minuten pro Antwort. Konkret, strukturiert, dann Pause.
Keine eigenen Fragen vorbereitet. Wenn am Ende die Frage kommt "Haben Sie noch Fragen?" und du sagst "Nein", signalisiert das Desinteresse. Bereite mindestens drei Fragen vor, die zeigen, dass du mitdenkst.
Übertriebene Selbstdarstellung ohne Substanz. "Ich bin der Beste in meinem Bereich" klingt hohl ohne Beispiele. Zeig deine Erfolge durch Geschichten, nicht durch Adjektive.
Negative Körpersprache. Verschränkte Arme signalisieren Abwehr. Kein Blickkontakt wirkt unsicher oder desinteressiert. Zusammengesackte Haltung wirkt unmotiviert. Deine Körpersprache spricht lauter als deine Worte.
Zu früh oder zu spät ankommen. Optimal sind 5-10 Minuten. Mehr als 15 Minuten zu früh wirkt drängend. Zu spät ohne Anruf ist respektlos.
Nicht auf die Frage antworten. Manche Kandidat:innen reden an der Frage vorbei. Hör genau zu, was gefragt wird – und beantworte DIESE Frage. Wenn du unsicher bist, paraphrasiere: "Verstehe ich richtig, dass Sie wissen möchten...?"
Was sind die goldenen Regeln eines Vorstellungsgesprächs?
Die 10 goldenen Regeln lassen sich in drei Bereiche zusammenfassen: Vorbereitung, Präsentation und Professionalität.
Vorbereitung ist die Basis. Recherchiere das Unternehmen gründlich, verstehe die Job-Anforderungen und bereite konkrete Beispiele vor (STAR-Methode). 71% der Bewerbungen scheitern, weil relevante Fähigkeiten nicht klar kommuniziert werden – Vorbereitung löst das.
Präsentation bedeutet Authentizität mit Struktur. Strukturiere deine Selbstpräsentation (Gegenwart-Vergangenheit-Zukunft), achte auf Körpersprache (fester Händedruck, Augenkontakt, offene Haltung) und antworte ehrlich. Der erste Eindruck entsteht in Sekunden und prägt das gesamte Gespräch.
Professionalität zeigt sich in Details. Sei pünktlich (5-10 Minuten früh), kleide dich passend zur Branche, höre aktiv zu und stelle durchdachte Rückfragen. Meistere die Gehaltsfrage zum richtigen Zeitpunkt und schließe stark ab mit einer Follow-up-Mail innerhalb von 24 Stunden.
Bonus für 2026: Bereite dich extra auf Video-Interviews vor – sie sind technisch anspruchsvoller und Bewerber:innen schneiden dort nachweislich schlechter ab als im persönlichen Gespräch.
Wie punkte ich beim Vorstellungsgespräch?
Mit konkreten Beispielen statt vagen Aussagen. "Ich bin teamfähig" sagt nichts. "Letztes Quartal habe ich unser Team durch eine kritische Deadline geführt – wir haben pünktlich geliefert und der Kunde hat den Vertrag verlängert" zeigt Beweise.
Zeig echtes Interesse am Unternehmen. Stelle Fragen, die beweisen, dass du dich vorbereitet hast: "Ich habe gesehen, dass ihr Feature X gelauncht habt – wie wirkt sich das auf die Teamstruktur aus?" Das hebt dich von 80% der Kandidat:innen ab, die nur Standard-Fragen stellen.
Sei selbstbewusst, aber nicht arrogant. Selbstbewusstsein zeigt sich darin, dass du deine Erfolge klar benennst, aber auch Schwächen zugibst und zeigst, wie du daran arbeitest. Arroganz zeigt sich darin, dass du nie falsch liegst und andere klein machst – das will niemand im Team.
Stelle starke Fragen, die zeigen, dass du mitdenkst. "Was sind die größten Herausforderungen in den ersten 90 Tagen?" oder "Wie sieht Erfolg in dieser Rolle nach einem Jahr aus?" zeigen, dass du strategisch denkst und bereits überlegst, wie du beitragen kannst.
Kommuniziere klar, was du bietest. Nicht: "Ich bringe viel Erfahrung mit." Sondern: "In meinen 5 Jahren als Projektmanager habe ich 12 Launches verantwortet – durchschnittlich 10% unter Budget und pünktlich. Diese Effizienz bringe ich mit."
So geht's nach dem Gespräch weiter
Sende deine Follow-up-Mail innerhalb von 24 Stunden. Referenziere konkrete Gesprächsinhalte, bekräftige dein Interesse und bleibe professionell kurz.
Falls keine Rückmeldung nach der genannten Frist kommt, folge höflich nach. "Guten Tag [Name], ich wollte mich kurz erkundigen, ob es Neuigkeiten zum Stand meiner Bewerbung gibt. Ich freue mich nach wie vor sehr auf die Möglichkeit und stehe gerne für weitere Gespräche zur Verfügung."
Reflektiere, was gut lief und was du verbessern kannst. Welche Fragen haben dich überrascht? Wo warst du unsicher? Nutze diese Erkenntnisse für das nächste Gespräch.
Und vor allem: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Während du auf Rückmeldung wartest, solltest du weitersuchen. Nejo durchsucht das Web rund um die Uhr nach passenden Jobs – über 400.000 Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sobald etwas Passendes auftaucht, wirst du sofort informiert. So verpasst du keine Chance, während du auf eine Antwort wartest.
Keine dieser Regeln ist ein Geheimtipp. Aber zusammen machen sie den Unterschied zwischen "nächster Kandidat bitte" und "wann können Sie anfangen?"
Den kompletten Bewerbungsgespräch Guide findest du hier – von der Vorbereitung bis zum Follow-up.
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