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Motivationsschreiben: Wann brauchst du das wirklich?

Person schreibt konzentriert an einem Motivationsschreiben am Laptop

"Ich hab das Motivationsschreiben beigelegt." Das hören Recruiter in Bewerbungsgesprächen ständig, und dann stellt sich raus: Die Person meint das Anschreiben. Passiert öfter als man denkt, und der Unterschied ist nicht egal.

Person schreibt ein Motivationsschreiben am Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch
Person schreibt ein Motivationsschreiben am Schreibtisch mit Laptop und Notizbuch

Das Wesentliche:

  • Motivationsschreiben ist NICHT das Anschreiben, sondern eine optionale dritte Seite
  • Pflicht bei: Stipendien, Studienplätzen, manchen Trainee-Programmen
  • Meistens nicht nötig bei Standard-Jobbewerbungen
  • Länge: maximal eine Seite
  • Fokus: persönliche Motivation, nicht Qualifikationen wiederholen

Anschreiben, Motivationsschreiben, dritte Seite. Die Begriffe fliegen durcheinander und das verwirrt so ziemlich alle, die sich gerade bewerben. Brauch ich beides? Ist das nicht eigentlich dasselbe?

Laut Stepstone solltest du immer ein Anschreiben anfügen. Anders als das Motivationsschreiben. Es ist eine zusätzliche Seite, auf der du tiefer in deine Motivation eingehst, und kommt nach Anschreiben und Lebenslauf.

Die eigentliche Frage ist: Wann lohnt sich der Aufwand, und wann verschwendest du deine Zeit?

Was ist ein Motivationsschreiben?

Visualisierung einer Bewerbungsmappe mit markierter dritter Seite
Visualisierung einer Bewerbungsmappe mit markierter dritter Seite

Im Grunde ist es ein zusätzliches Dokument, das dein Anschreiben ergänzt. Wo das Anschreiben eher sachlich bleibt (warum du fachlich passt), gibt dir das Motivationsschreiben Raum für:

  • Persönliche Motivation und warum du für genau diesen Bereich brennst
  • Konkrete Erfolge und Projekte, die im Anschreiben keinen Platz hatten
  • Warum es genau dieses Unternehmen sein soll
  • Deine Vision und wo du in ein paar Jahren stehen willst

Laut Azubiyo darf das Motivationsschreiben persönlicher und emotionaler sein als das Anschreiben. Hier zeigst du, wer du jenseits von Qualifikationen und Berufserfahrung bist.

Anschreiben vs. Motivationsschreiben

Infografik Vergleich Anschreiben und Motivationsschreiben mit Unterschieden
Infografik Vergleich Anschreiben und Motivationsschreiben mit Unterschieden

Anschreiben und Motivationsschreiben werden oft verwechselt, aber sie haben komplett verschiedene Jobs:

Das Anschreiben ist Seite 1, sollte immer beigefügt werden, formal und sachlich. Es fasst zusammen, warum du fachlich zur Stelle passt. Das Motivationsschreiben kommt als Seite 3, ist meistens optional und darf persönlich sein. Hier geht es um deine tiefere Motivation, deine Werte und was dich als Person ausmacht.

Der wichtigste Unterschied: Im Anschreiben gibst du einen Überblick. Im Motivationsschreiben überzeugst du durch Einzigartigkeit.

"Das Motivationsschreiben ist der Ort für Emotionen. Zeig, was dich wirklich antreibt."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Hinweis für Bewerber:innen in Österreich:

In Österreich bedeutet "Motivationsschreiben" oft das, was in Deutschland "Anschreiben" heißt. Wenn du dich international bewirbst, check vorher, was genau gemeint ist.

Wann brauchst du wirklich ein Motivationsschreiben?

Entscheidungsbaum: Brauche ich ein Motivationsschreiben? Flowchart
Entscheidungsbaum: Brauche ich ein Motivationsschreiben? Flowchart

Oft brauchst du es nicht unbedingt, aber es gibt Situationen, wo es Pflicht ist oder dir einen echten Vorteil bringt.

Meistens erforderlich:

  • Ausbildungsplätze, weil viele Unternehmen es explizit fordern
  • Studienplätze, besonders bei zulassungsbeschränkten Fächern
  • Stipendien (hier fast immer Pflicht)
  • Trainee-Programme
  • Wenn es in der Stellenanzeige ausdrücklich verlangt wird

Meistens nicht nötig:

  • Standard-Jobbewerbungen (wenn nicht gefordert)
  • Wenn nur "Anschreiben" verlangt wird
  • Kurzbewerbungen
  • Initiativbewerbungen

Bei Minijob-Bewerbungen reicht in der Regel eine Kurzbewerbung ohne Motivationsschreiben.

Die einfachste Regel: Steht in der Stellenanzeige nichts von Motivationsschreiben? Dann lass es weg. Lieber ein richtig gutes Anschreiben als ein mittelmäßiges Anschreiben plus ein mittelmäßiges Motivationsschreiben, das niemand bestellt hat.

Aufbau und Struktur

Beispiel-Motivationsschreiben mit markierten Abschnitten für Einleitung, Hauptteil und Schluss
Beispiel-Motivationsschreiben mit markierten Abschnitten für Einleitung, Hauptteil und Schluss

Der Aufbau ist simpler als die meisten denken. Drei Blöcke, eine Seite, fertig.

Einleitung (1 Absatz)

Warum bewirbst du dich gerade hier? Am besten mit einem persönlichen Hook. Ein Erlebnis, ein Moment, der dein Interesse geweckt hat. "Ich hab letztes Jahr auf der Messe euren Stand gesehen und...". Vermeide auf jeden Fall generische Sätze wie: "Hiermit bewerbe ich mich mit großem Interesse..."

Hauptteil (2-3 Absätze)

Was macht dich aus, das andere Bewerber:innen nicht mitbringen? Hier kommen konkrete Erfolge und Projekte rein, detaillierter als im Anschreiben. Welche Werte teilst du mit dem Unternehmen? Warum passt ihr zusammen, und zwar nicht nur fachlich?

Schluss (1 Absatz)

Deine Vision: Wo willst du hin und was bringst du mit? Kein "Ich würde mich über eine Einladung freuen", sondern ein überzeugender Abschluss, der hängen bleibt.

Zur Länge: eine Seite. Auch wenn du mehr Raum hättest. Wer auf einer Seite nicht auf den Punkt kommt, überzeugt auf zwei Seiten auch nicht.

So wird dein Motivationsschreiben richtig gut

5 Tipps für ein starkes Motivationsschreiben als Icon-Liste
5 Tipps für ein starkes Motivationsschreiben als Icon-Liste
  1. Sei nicht generisch – Recruiter lesen hunderte Motivationsschreiben. Was funktioniert: Schreib, was dich tatsächlich antreibt.
  2. Kenne deine Motivation – wenn du sie nicht in zwei Sätzen sagen kannst, beantworte die Frage zuerst, bevor du anfängst zu schreiben.
  3. Zeig statt erzählen – nicht „Ich bin teamfähig“, sondern beschreib eine konkrete Situation, in der du das bewiesen hast.
  4. Recherchier konkret – bezieh dich auf ein Projekt, einen Blogpost oder eine Pressemitteilung statt auf generische Phrasen.
  5. Wiederhole nichts aus dem Anschreiben – das Motivationsschreiben ergänzt Persönliches, es verdoppelt nicht.

Notiz:

Natürlich gibt es kein Rezept, das immer funktioniert. Manche Personaler lesen Motivationsschreiben gar nicht, andere achten sehr genau darauf. Wer ein bisschen recherchiert (LinkedIn-Profile der Hiring Manager, Glassdoor-Bewertungen), bekommt meistens ein Gefühl dafür, was bei diesem Unternehmen zählt.

Diese Fehler sehen wir am häufigsten:

Typische Fehler im Motivationsschreiben mit Beispielen markiert
Typische Fehler im Motivationsschreiben mit Beispielen markiert

Je nach Situation anders

Das Motivationsschreiben sieht je nach Kontext anders aus. Hier die wichtigsten Varianten:

Für Ausbildung

Fokus auf Motivation für den Beruf, Praktika, die du gemacht hast, schulische Stärken und Eigeninitiative. Du musst nicht 10 Jahre Erfahrung vorweisen, sondern zeigen, dass du den Beruf wirklich willst.

Für Studium und Stipendien

Akademische Interessen, Forschungsfragen, die dich beschäftigen, Engagement neben dem Studium und deine Zukunftsvision. Stipendiengeber wollen sehen, dass du weißt, wo du hinwillst.

Für Berufserfahrene

Dein Karriereweg als roter Faden: Was hast du erreicht und warum willst du jetzt genau diesen nächsten Schritt machen? Hier zählen besondere Erfolge und eine nachvollziehbare Geschichte.

Für Quereinsteiger

Wer die Branche wechselt, hat oft die stärkste Geschichte zu erzählen. Transferable Skills, echte Motivation für den Wechsel und Lernbereitschaft sind hier der Schlüssel. Mehr dazu im Guide zur Bewerbung als Quereinsteiger.

Kostenloser Download: Motivationsschreiben Vorlage

Alle Tipps aus diesem Artikel als Vorlage zum kostenlosen Download.

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