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Diese Stärken wollen Personaler:innen im Bewerbungsgespräch hören

Bewerberin präsentiert selbstbewusst ihre Stärken im Vorstellungsgespräch

Die Stärken-Frage klingt einfach. Ist sie auch – wenn du weißt, was Personaler:innen wirklich hören wollen. Spoiler: Die Antwort ist nicht "Teamfähigkeit, Flexibilität und Kommunikationsstärke" ohne ein einziges Beispiel zu nennen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Personaler testen mit der Stärken-Frage drei Dinge gleichzeitig: Selbstreflexion, Cultural Fit und Authentizität
  • Die Top 3 gefragten Soft Skills sind Kommunikationsfähigkeit & Teamfähigkeit (47%), Anpassungsfähigkeit & Lernbereitschaft (36%) sowie kritisches Denken & Problemlösung (28%)
  • Die STAR-Methode (Situation, Task, Action, Result) verwandelt abstrakte Behauptungen in glaubwürdige Geschichten – und erhöht nachweislich die Job-Performance
  • Wähle 3-5 Stärken, die authentisch zu dir UND zur Stellenbeschreibung passen – bereite für jede 2-3 konkrete STAR-Beispiele vor
  • 31% der Bewerber:innen scheitern, weil sie Soft Skills nicht überzeugend demonstrieren können – meist durch fehlende Beispiele statt fehlender Fähigkeiten

Warum?

Weil 60% der Arbeitgeber genau diese Skills suchen – Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit stehen ganz oben auf der Liste. Aber die meisten Bewerber:innen präsentieren sie ohne Substanz.

Welche Stärken du nennst, ist tatsächlich zweitrangig. Was zählt ist, wie du sie rüberbringst.

Warum Personaler nach deinen Stärken fragen

Die offensichtliche Antwort: Sie wollen checken, ob deine Fähigkeiten zur Stelle passen. Die detailliertere Antwort: Sie testen drei Dinge gleichzeitig.

Selbstreflexion

Kannst du deine eigenen Stärken realistisch einschätzen?

Wer wenig kann, schätzt sich oft am besten ein – das ist der Dunning-Kruger-Effekt. Personaler:innen wissen das und hören genau hin, ob deine Selbsteinschätzung realistisch klingt.

Cultural Fit

Deine Stärken verraten, wie du arbeitest. Jemand, der "Eigeninitiative" als Stärke nennt, tickt anders als jemand, der "Teamorientierung" priorisiert. Beide können wertvoll sein, aber nicht für jede Unternehmenskultur gleich gut passen.

Authentizität

41% der Bewerber:innen werden abgelehnt , weil es an Sympathie mangelt. Das hat nichts mit "nett sein" zu tun, sondern mit glaubwürdiger Selbstdarstellung. Wer seine Stärken nicht belegen kann, wirkt unecht.

"Die Stärken-Frage ist kein Small Talk. Sie ist ein Test in drei Dimensionen."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

96% der Bewerber:innen scheitern bereits beim ersten Screening , weil sie Stellenkriterien nicht erfüllen – oft, weil sie ihre relevanten Stärken nicht klar kommunizieren.

Visualisierung der drei Testdimensionen: Selbstreflexion, Cultural Fit und Authentizität
Visualisierung der drei Testdimensionen: Selbstreflexion, Cultural Fit und Authentizität

Welche Stärken Arbeitgeber wirklich suchen

Es gibt klare Daten darüber, welche Soft Skills am Arbeitsmarkt gefragt sind. Fast alle Bewerber:innen kennen diese Liste. Aber die wenigsten präsentieren sie überzeugend.

Laut dem World Economic Forum Future of Jobs Report 2025 sind das die Top-gefragten Stärken:

  • Analytisches Denken (70%): Alle Branchen, besonders in datengetriebenen Rollen
  • Resilienz, Flexibilität & Anpassungsfähigkeit (67%): Dynamische Umfelder, Krisenzeiten, Tech-Sektor
  • Führungskompetenz & sozialer Einfluss (61%): Führungsrollen, Teamleitung, Change Management
Top-gefragte Soft Skills 2026 im Überblick
Top-gefragte Soft Skills 2026 im Überblick

Warum genau diese Skills? Der Arbeitsmarkt hat sich verändert.

75% der Unternehmen weltweit finden nicht genügend qualifizierte Bewerber:innen. Gleichzeitig werden Jobs komplexer, interdisziplinärer, schnelllebiger. Fachliches Know-how ist die Eintrittskarte. Soft Skills entscheiden, wer den Job bekommt.

Ein Beispiel aus dem IT-Sektor:

38% der Unternehmen bemängeln fehlende Soft Skills bei IT-Bewerber:innen – obwohl die technischen Qualifikationen stimmen. Du kannst die beste Programmiererin sein. Wenn du nicht im Team kommunizieren kannst, wirst du nicht eingestellt.

Die folgenden Beispiele sind kein Cheat-Sheet, das du 1:1 kopieren solltest. Personaler erkennen sofort, wenn du einfach nachbetest, was "man so sagt". Entscheidend ist: Welche dieser Stärken passen authentisch zu dir – und zur Stellenbeschreibung?

20 Beispiele für überzeugende Stärken

Wähle nur Stärken, die du mit konkreten Beispielen belegen kannst.

Soziale Kompetenzen

  • 1. Teamfähigkeit – Du arbeitest effektiv mit anderen zusammen, hörst zu und trägst zu gemeinsamen Zielen bei. Besonders wichtig in kollaborativen Umgebungen und crossfunktionalen Projekten.
  • 2. Kommunikationsfähigkeit – Du erklärst komplexe Sachverhalte verständlich, passt deinen Kommunikationsstil an verschiedene Zielgruppen an. Kritisch in Rollen mit Kundenkontakt, Präsentationen oder Teamleitung.
  • 3. Empathie – Du verstehst die Perspektiven und Bedürfnisse anderer. Wertvoll in Führungspositionen, im Kundenservice und in beratenden Tätigkeiten.
  • 4. Konfliktlösung – Du erkennst Spannungen früh und findest konstruktive Lösungen. Gefragt in Teams mit unterschiedlichen Interessen oder in Projekten mit mehreren Stakeholdern.
  • 5. Überzeugungskraft – Du gewinnst andere für deine Ideen, ohne zu manipulieren. Zentral im Vertrieb, in Verhandlungen und beim Stakeholder-Management.

Analytische Fähigkeiten

  • 6. Kritisches Denken – Du hinterfragst Annahmen, erkennst Schwachstellen in Argumenten und triffst fundierte Entscheidungen. Unverzichtbar in strategischen Rollen.
  • 7. Problemlösungskompetenz – Du gehst strukturiert an Herausforderungen heran und findest praktikable Lösungen. In fast jeder Rolle gefragt, besonders bei komplexen Projekten.
  • 8. Datenanalyse – Du interpretierst Zahlen und ziehst handlungsrelevante Schlüsse daraus. Wichtig in datengetriebenen Branchen und für evidenzbasierte Entscheidungen.
  • 9. Strategisches Denken – Du siehst das große Ganze, erkennst langfristige Zusammenhänge und planst vorausschauend. Kernkompetenz für Führungskräfte und Berater:innen.
  • 10. Kreativität – Du entwickelst innovative Lösungen abseits ausgetretener Pfade. Gefragt in Marketing, Design, Produktentwicklung und überall, wo neue Ansätze nötig sind.

Persönliche Eigenschaften

  • 11. Anpassungsfähigkeit – Du reagierst flexibel auf Veränderungen und fühlst dich in neuen Situationen schnell zurecht. Besonders wertvoll in dynamischen Umfeldern und Wachstumsunternehmen.
  • 12. Lernbereitschaft – Du eignest dir neue Fähigkeiten schnell an und bleibst neugierig. In Zeiten schneller technologischer Entwicklung eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt.
  • 13. Zuverlässigkeit – Du hältst Deadlines ein und lieferst konstant gute Arbeit. Klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Diese Stärke wird unterschätzt.
  • 14. Resilienz – Du erhältst dir auch unter Druck deine Leistungsfähigkeit und lernst aus Rückschlägen. Kritisch in stressigen Umfeldern und bei hoher Arbeitsbelastung.
  • 15. Eigeninitiative – Du erkennst, was getan werden muss, und packst an – ohne dass dir jemand sagen muss, was zu tun ist. Besonders wichtig in Start-ups und selbstorganisierten Teams.
  • 16. Organisationsfähigkeit – Du strukturierst komplexe Aufgaben, priorisierst richtig und behältst den Überblick. Unverzichtbar im Projektmanagement und bei Multitasking-Jobs.

Fachliche Kompetenzen

  • 17. Projektmanagement – Du planst, koordinierst und steuerst Projekte erfolgreich zum Abschluss. Methodisches Know-how (z.B. Agile, Scrum) erhöht den Wert dieser Stärke.
  • 18. Technisches Fachwissen – Du beherrschst relevante Tools, Technologien oder Methoden in deinem Fachgebiet. Nur nennen, wenn es zur Stelle passt – sonst wirkt es wie Angeben.
  • 19. Fremdsprachenkenntnisse – Du kommunizierst sicher in mehreren Sprachen. In internationalen Unternehmen oder bei DACH-weiten Positionen ein klarer Vorteil.
  • 20. Branchenspezifisches Fachwissen – Du kennst die Besonderheiten, Regularien und Best Practices deiner Branche. Zeigt Expertise und verkürzt die Einarbeitungszeit.

Ein Wort zur Vorsicht: Die fünf am häufigsten genannten Stärken – Teamfähigkeit, Flexibilität, Pünktlichkeit, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit – sind auch die am schlechtesten präsentierten. Warum? Weil Bewerber:innen sie einfach aufzählen, ohne zu zeigen, was sie damit meinen. Wenn du eine dieser Stärken nennst, brauchst du ein verdammt gutes Beispiel.

Vier Kategorien von Stärken: soziale, analytische, persönliche und fachliche Kompetenzen
Vier Kategorien von Stärken: soziale, analytische, persönliche und fachliche Kompetenzen

Die STAR-Methode: So präsentierst du deine Stärken überzeugend

Die meisten Bewerber:innen scheitern nicht an den falschen Stärken. Sie scheitern an der Präsentation. Du sagst "Ich bin teamfähig" – und lieferst keinen Beweis. Das Ergebnis:

31% scheitern aufgrund mangelhafter Soft Skills-Präsentation im Auswahlprozess.

Die Lösung ist die STAR-Methode. STAR steht für Situation, Task, Action, Result. Diese Struktur verwandelt abstrakte Behauptungen in konkrete Geschichten.

Warum funktioniert STAR?

Eine Studie mit 7.650 Kandidat:innen zeigt: Wer seine Stärken mit der STAR-Methode präsentiert, zeigt bessere Job-Performance, wird häufiger befördert und bleibt länger im Unternehmen. Der Grund: STAR zwingt dich, spezifisch zu werden – und Spezifität ist glaubwürdig.

STAR-Methode: Vier Schritte von Situation bis Result
STAR-Methode: Vier Schritte von Situation bis Result

So funktioniert STAR im Detail

S – Situation: Beschreibe den Kontext. Wo und wann hat sich die Situation abgespielt?

T – Task: Was war deine Aufgabe oder Herausforderung in dieser Situation?

A – Action: Welche konkreten Schritte hast du unternommen? Das ist der wichtigste Teil – hier zeigst du deine Stärke in Aktion.

R – Result: Was war das Ergebnis? Idealerweise mit messbaren Erfolgen (Zahlen, Zeitersparnis, Feedback).

Beispiel: Teamfähigkeit

Schlecht:

"Ich bin sehr teamfähig und arbeite gerne mit anderen zusammen."

Gut mit STAR:

"In meinem letzten Projekt bei [Firma X] [Situation] stand unser fünfköpfiges Team vor der Herausforderung, eine Produkteinführung in nur drei Monaten zu schaffen [Task]. Ich übernahm die Koordination und etablierte wöchentliche Stand-ups, bei denen jede:r Blocker transparent machen konnte [Action]. Das Ergebnis: Wir haben den Launch zwei Wochen früher als geplant geschafft, und unser Lead lobte die Zusammenarbeit als 'beste Teamdynamik seit Jahren' [Result]."

"STAR zwingt dich, spezifisch zu werden – und das macht dich glaubwürdig."

Simona Hübl

Co-Founder Nejo

Siehst du den Unterschied? Die erste Antwort ist eine Behauptung. Die zweite ist eine Geschichte mit Beweis.

Faustregel für die Länge: Deine STAR-Antwort sollte 60 bis 90 Sekunden dauern. Kürzer wirkt zu vage. Länger verlierst du die Aufmerksamkeit.

Noch mehr STAR-Beispiele und eine Story-Bank Vorlage findest du in unserem ausführlichen Guide.

Template zum Ausfüllen

Bereite deine eigenen STAR-Geschichten vor:

  • Situation: [Wann und wo?]
  • Task: [Welche Herausforderung?]
  • Action: [Was hast DU konkret getan?]
  • Result: [Messbares Ergebnis? Feedback?]

Am besten bereitest du für jede deiner 3-5 Kernstärken mindestens zwei STAR-Geschichten vor. Warum zwei? Falls der Interviewer nachhakt: "Gib mir ein weiteres Beispiel."

Stärken finden: So identifizierst du deine persönlichen Stärken

Listen mit Stärken-Beispielen helfen nur, wenn du weißt, welche davon wirklich zu dir passen. Die meisten Bewerber:innen machen den Fehler, einfach zu überlegen: "Was will der Arbeitgeber hören?" Besserer Ansatz: "Was kann ich authentisch belegen?"

Person macht Notizen zur Selbstreflexion und identifiziert persönliche Stärken
Person macht Notizen zur Selbstreflexion und identifiziert persönliche Stärken

Selbstreflexion: Drei Fragen, die funktionieren

1. Wofür wirst du regelmäßig gelobt?

Denk an Feedback von Kolleg:innen, Leads oder Kund:innen. Was taucht immer wieder auf? "Du erklärst das so verständlich" = Kommunikationsstärke. "Mit dir läuft jedes Projekt reibungslos" = Organisationsfähigkeit.

2. Was fällt dir leicht, anderen aber schwer?

Deine Stärken sind oft Dinge, die sich für dich normal anfühlen – während andere dafür kämpfen müssen. Du siehst sofort, wie man komplexe Daten visualisiert? Analytisches Denken. Dir macht Networking Spaß, während andere es hassen? Kommunikationsstärke.

3. Welche Erfolge hattest du in den letzten zwei Jahren?

Liste fünf berufliche Erfolge auf. Bei jedem: Welche Stärke war der Schlüssel? Projekt erfolgreich abgeschlossen trotz Zeitdruck = Stressresistenz. Konflikt im Team gelöst = Konfliktlösung. Neue Technologie schnell gelernt = Lernbereitschaft.

Fremdbild einholen

Deine Selbsteinschätzung ist wertvoll – aber nicht objektiv. Frage ehemalige Kolleg:innen, Leads oder Mentor:innen direkt: "Wenn du meine drei größten Stärken benennen müsstest – welche wären das?" Die Antworten überraschen oft. Und: Sie liefern dir ready-to-use Formulierungen für deine STAR-Geschichten.

Stellenbeschreibung analysieren

Jetzt kommt der strategische Teil: Welche deiner Stärken passen zur Stellenbeschreibung? Lies sie genau. Achte auf:

  • Explizite Anforderungen: "Wir suchen jemanden mit exzellenten Kommunikationsfähigkeiten"
  • Implizite Hinweise: "In einem dynamischen, schnelllebigen Umfeld" = Anpassungsfähigkeit gefragt
  • Formulierungen bei Aufgaben: "Koordination mehrerer Stakeholder" = Organisationsfähigkeit, Kommunikation

Übrigens: Nejo analysiert Stellenbeschreibungen automatisch und zeigt dir, welche Skills tatsächlich gefragt sind – basierend auf 400.000+ Jobs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So kannst du deine Stärken gezielt auf die tatsächlichen Anforderungen abstimmen.

Vorbereitung: 3-5 Kernstärken + STAR-Geschichten

Wähle 3 bis 5 Stärken, die:

  1. Authentisch zu dir passen (du kannst sie belegen)
  2. Für die Stelle relevant sind (laut Stellenbeschreibung)
  3. Unterschiedliche Dimensionen abdecken (z.B. eine soziale, eine analytische, eine persönliche Stärke)

Für jede dieser Stärken: Bereite mindestens eine STAR-Geschichte vor. Schreib sie auf – aber lerne sie nicht auswendig. Du willst im Gespräch natürlich klingen, nicht wie ein Skript.

Stärken ohne Berufserfahrung präsentieren

"Aber ich habe noch keine Berufserfahrung – welche Stärken soll ich denn nennen?" Diese Frage stellen sich Berufseinsteiger:innen, Absolvent:innen und Quereinsteiger:innen ständig. Die Antwort: Stärken zeigst du nicht nur im Job.

Wo du als Berufseinsteiger:in Stärken demonstrierst

Im Studium: Gruppenarbeiten = Teamfähigkeit, Kommunikation. Abschlussarbeit = Eigeninitiative, Durchhaltevermögen. Komplexe Themen verstanden = Lernfähigkeit, analytisches Denken.

In Nebenjobs: Service-Jobs = Stressresistenz, Kundenorientierung. Nachhilfe = Kommunikationsfähigkeit, Geduld. Promotionjobs = Überzeugungskraft.

Im Ehrenamt: Freiwilligenarbeit = Empathie, soziales Engagement. Organisationsaufgaben = Projektmanagement. Teamkoordination = Führungsfähigkeit.

In Projekten & Hobbies: Side-Projects = Eigeninitiative, Kreativität. Sport im Verein = Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen. Blogger oder Content Creator = digitale Kompetenz, Kommunikation.

Transferable Skills sind echte Skills

Personaler wissen: Berufseinsteiger:innen haben keine 10 Jahre Projekterfahrung. Sie suchen nach Potenzial. Und Potenzial zeigt sich in transferierbaren Fähigkeiten.

Ein Beispiel: Du hast die Erstsemesterwoche an deiner Uni organisiert. Das ist kein "richtiger Job" – aber du hast 15 Freiwillige koordiniert, ein Budget verwaltet, mit verschiedenen Stakeholdern kommuniziert. Das sind Projektmanagement-Skills.

Beispiel-Formulierung für Berufseinsteiger:innen

STAR-Antwort ohne Berufserfahrung:

"Während meines Studiums [Situation] übernahm ich die Organisation der Erstsemesterwoche für 200 Teilnehmer:innen [Task]. Ich koordinierte 15 Freiwillige, erstellte einen Zeitplan und kommunizierte mit der Hochschulverwaltung, lokalen Unternehmen und Sponsor:innen [Action]. Das Ergebnis: 87% Teilnahmequote – die höchste seit fünf Jahren – und durchweg positives Feedback. Das zeigt meine Stärke in Teamkoordination und Event-Management [Result]."

Kein Jobtitel nötig. Die Stärke ist trotzdem klar erkennbar. Und belegt.

Berufseinsteiger zeigt Stärken aus Studium, Nebenjob und Ehrenamt
Berufseinsteiger zeigt Stärken aus Studium, Nebenjob und Ehrenamt

Diese Fehler solltest du bei der Stärken-Frage vermeiden

Personaler hören hunderte Stärken-Antworten. Die meisten sind schlecht.

Don'ts

1. Nur Stichworte nennen

"Teamfähigkeit, Flexibilität, Pünktlichkeit." Das ist keine Antwort, das ist eine Einkaufsliste. Ohne Kontext, ohne Beispiele, ohne Wert.

2. Stärken erfinden oder übertreiben

Du behauptest, "extrem stressresistent" zu sein – aber beim kleinsten Nachfragen wirst du nervös. Personaler merken das sofort.

Laut Dunning-Kruger-Forschung überschätzen gerade Kandidat:innen mit geringer Kompetenz ihre Fähigkeiten massiv. Bleib bei dem, was du wirklich kannst.

3. Stärken nennen, die nicht zur Stelle passen

Du bewirbst dich auf eine Entwickler:innen-Stelle und schwärmst von deiner "Liebe zum Kundenkontakt"? Passt nicht. Analysiere die Stellenbeschreibung – und wähle relevante Stärken.

4. Mehr als 3-4 Stärken auf einmal präsentieren

"Ich bin teamfähig, belastbar, kreativ, analytisch, kommunikativ, zuverlässig und..." – Stop. Das klingt unglaubwürdig. Konzentrier dich auf drei Stärken, die du richtig gut rüberbringst.

5. Stärken kleinreden

Deutsche Bescheidenheit ist sympathisch – aber nicht im Bewerbungsgespräch. "Naja, also teamfähig bin ich vielleicht ein bisschen..." Nein. Wenn du eine Stärke nennst, dann selbstbewusst.

Do's

1. Wähle 3 Stärken, die zur Stelle passen. Und die du mit konkreten Beispielen belegen kannst.

2. Jede Stärke mit STAR-Beispiel untermauern. Keine Behauptung ohne Geschichte.

3. Authentisch bleiben. Zeig echte Erfolge aus deiner Erfahrung – nicht, was du denkst, was sie hören wollen.

4. Vorbereitet klingen, aber nicht auswendig gelernt. Übe deine Antworten – aber nicht so lange, bis sie roboterhaft klingen.

5. Selbstbewusst präsentieren (ohne Arroganz). Selbstbewusstsein heißt: "Ich weiß, was ich kann, und ich kann es beweisen." Arroganz heißt: "Ich bin der oder die Beste, fertig."

Die Statistik ist klar:

31% der Bewerber:innen scheitern , weil sie Soft Skills nicht überzeugend demonstrieren können. Oft wegen genau dieser Fehler.

Was tun, wenn der Interviewer nachhakt?

Du hast deine Stärke genannt. Du hast dein STAR-Beispiel gebracht. Du denkst, du bist durch. Dann kommt: "Interessant. Gib mir noch ein anderes Beispiel für deine Teamfähigkeit."

Panik? Nur, wenn du nicht vorbereitet bist.

Häufige Nachfragen und wie du darauf antwortest

"Gib mir ein weiteres Beispiel."

Deshalb brauchst du 2-3 STAR-Geschichten pro Kernstärke. Eine hast du erzählt – jetzt kommt die zweite. Idealerweise aus einem anderen Kontext (anderes Projekt, andere Rolle, andere Herausforderung).

"Wie würde dein:e Ex-Chef:in dich beschreiben?"

Das ist ein Authentizitäts-Test. Personaler wollen sehen: Sind deine Stärken konsistent mit dem Fremdbild? Idealerweise beziehst du dich hier auf echtes Feedback, das du bekommen hast. "Meine Lead bei [Firma X] sagte im letzten Feedbackgespräch, dass ich..."

"Gib mir ein Beispiel, wo diese Stärke zum Problem wurde."

Klingt gemein, ist aber fair. Personaler wollen sehen, ob du auch die Schattenseite deiner Stärke kennst. Beispiel: "Du sagst, du bist sehr detailorientiert. Wann war das ein Nachteil?" Ehrliche Antwort: "In schnelllebigen Projekten musste ich lernen, dass 'gut genug' manchmal besser ist als 'perfekt aber zu spät'. Ich arbeite daran, schneller zu priorisieren."

"Du sagst, du bist teamfähig. Gib mir ein Beispiel, wo es im Team schwierig war."

Noch eine Falle – aber eine gute Chance, Konfliktlösung zu zeigen. Schlechte Antwort: "Schwierigkeiten hatten wir eigentlich nie..." (Unglaubwürdig.) Gute Antwort: "In Projekt X hatten wir unterschiedliche Meinungen zur Priorisierung. Ich schlug vor, dass wir die Stakeholder direkt fragen, anstatt zu spekulieren. Wir einigten uns auf einen Kompromiss, der beide Perspektiven berücksichtigte."

Wenn dir kein Beispiel einfällt: Ehrlich sein

Worst Case: Dir fällt wirklich kein zweites Beispiel ein. Was tun?

Schlecht: Stammeln, Zeit schinden, ein Beispiel erfinden.

Besser: Kurz ehrlich sein und umschwenken. "Spontan fällt mir kein weiteres konkretes Projekt ein – aber ich kann Ihnen ein Beispiel für eine andere Stärke geben, die zur Stelle passt: [Nenne zweite Stärke mit STAR-Geschichte]."

Personaler respektieren Ehrlichkeit. Lügen oder Unsicherheit – nicht.

20 Beispiele für die Schwächen-Frage – mit dem 3-Schritte-Framework für die perfekte Antwort.

Stärken im Bewerbungsgespräch: Deine Vorbereitung

Checkliste für deine Vorbereitung

  • Stellenbeschreibung analysiert: Welche Stärken werden explizit oder implizit gefordert?
  • 3-5 persönliche Stärken identifiziert: Authentisch, relevant, belegbar
  • Für jede Stärke 2-3 STAR-Beispiele vorbereitet: Unterschiedliche Kontexte, konkrete Ergebnisse
  • Übung: Laut vor dem Spiegel oder mit Freund:in durchgespielt
  • Notizen gemacht: Stichpunkte, keine ausformulierten Texte (sonst klingst du auswendig gelernt)

Zeitplan

1 Woche vor dem Gespräch: Stärken identifizieren. Erfolge der letzten 2 Jahre durchgehen. Fremdbild einholen (Kolleg:innen fragen). Stellenbeschreibung auf geforderte Skills analysieren.

3 Tage vorher: STAR-Geschichten strukturieren. Situation, Task, Action, Result für jede Stärke aufschreiben. Prüfen: Sind die Beispiele spezifisch genug? Habe ich messbare Ergebnisse?

1 Tag vorher: Laut üben. Aufnehmen und anhören – klingst du authentisch oder wie ein Skript? Mit Freund:in oder Partner:in durchspielen, inklusive Nachfragen. Vor dem Spiegel checken: Körpersprache, Blickkontakt.

Übungstipps

Aufnehmen und anhören: Nimm deine Antworten mit dem Smartphone auf. Hör sie dir an. Zu schnell gesprochen? Zu viele "ähms"? Klingst du überzeugend – oder unsicher?

Mit Freund:in durchspielen: Lass jemanden die Rolle der Personalerin übernehmen. Wichtig: Auch Nachfragen stellen ("Gib mir noch ein Beispiel"). So merkst du, ob du genug STAR-Geschichten parat hast.

Vor dem Spiegel üben: Achte auf deine Körpersprache. Verschränkte Arme? Kein Blickkontakt? Nervöses Zappeln? Selbst die beste STAR-Geschichte verliert Wirkung, wenn deine Körpersprache "unsicher" schreit.

Nejo hilft beim Skills-Matching

Übrigens: Nejo durchsucht das Web rund um die Uhr nach passenden Jobs – basierend auf deinen Skills, nicht auf Keywords. Das bedeutet: Du findest Jobs, die wirklich zu deinen Fähigkeiten passen. Und du weißt genau, welche Stärken du im Gespräch hervorheben solltest, weil Nejo dir zeigt, welche Skills für die Stelle tatsächlich relevant sind.

Das ist besonders hilfreich, wenn Stellenbeschreibungen vage formuliert sind ("dynamisches Umfeld, vielseitige Aufgaben"). Nejo analysiert, was wirklich gemeint ist – und du kannst deine Vorbereitung entsprechend ausrichten.

Der Tag des Gesprächs

Am Tag selbst: Mach dir keinen Druck, alles "perfekt" zu sagen. Personaler suchen keine Roboter. Sie suchen Menschen, die wissen, was sie können. Und das authentisch rüberbringen.

Deine Vorbereitung ist dein Sicherheitsnetz. Du hast deine STAR-Geschichten. Du kennst deine Stärken. Du weißt, was die Stelle braucht. Jetzt musst du nur noch du selbst sein – vorbereitet, aber nicht auswendig gelernt.

Alles zur Vorbereitung in unserem Bewerbungsgespräch Guide – von den Phasen des Gesprächs bis zum Follow-up.

Viel Erfolg.

Kostenloser Download: Stärken & STAR-Planner

Deine Stärken identifizieren, STAR-Geschichten vorbereiten und alles auf einen Blick haben – zum Ausfüllen vor dem Gespräch.

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Stärken im Bewerbungsgespräch: Workbook & STAR-Planner

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Häufige Fragen zu Stärken im Bewerbungsgespräch

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